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Es ist eine Besonderheit dieser Epoche, dass die meisten Philosophen des Barock auch belletristische Werke geschrieben haben.
Sie sahen darin eine Chance, ihre zum Teil radikal neuen Ideen in verständlicher
und unterhaltsamer Form einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Starte das Video und höre einige Auszüge, welche die belletristischen Ambitionen der Verfasser illustrieren. Unten findest du die Texte mit Quellenangabe.
Voltaire
„Zadig oder das Schicksal“
Thomas Hobbes
„Grundzüge der Philosophie“
Margaret Cavendish
„The Blazing World“
Blaise Pascal
„Pensees“
Jean-Jacques Rousseau
„Emile oder über die Erziehung“
David Hume
„Über die Unsterblichkeit der Seele“
Émilie du Châtelet
Francis Bacon
„Über den Argwohn“
Montesquieu
„Vom Geist der Gesetze“
Denis Diderot
„Jacques der Fatalist“


In ganz Europa hält die Aufklärung Einzug in die Literatur. Die Philosophen werden von vielen Dichtern studiert und verehrt, deren Ideen in Belletristik umgesetzt. Satiren, Briefromane und utopische Erzählungen sind besonders beliebt.
![250px-Daniel_Defoe_Kneller_Style[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/09/250px-Daniel_Defoe_Kneller_Style1.jpg)
Daniel Defoe gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der englischen Aufklärung, da er in seinen Werken den Aufstieg des aufgeklärten, ökonomisch denkenden Bürgertums feierte. Sein berühmtester Roman „Robinson Crusoe“ (1719) ist eine literarische Manifestation des aufklärerischen Vernunftglaubens, in dem ein Individuum allein durch Rationalität, Fleiß und praktischen Verstand die Natur beherrscht und sich eine zivilisierte Existenz aufbaut. Anstelle von religiösem Fatalismus oder höfischen Idealen stellte Defoe den pragmatischen, selbstbestimmten Menschen in den Mittelpunkt und prägte damit maßgeblich das moderne bürgerliche Menschenbild.
aus „Robinson Crusoe“
![500px-Jonathan_Swift_by_Charles_Jervas_detail[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/09/500px-Jonathan_Swift_by_Charles_Jervas_detail1.jpg)
Dieses Zitat aus „Gullivers Reisen“ wird oft Friedrich II. zugeschrieben.
Jean-Jacques Rousseau
„Vom Gesellschaftsvertrag“
Goethe machte daraus:
Niemand ist mehr Sklave,
als der sich für frei hält, ohne es zu sein.
Und Schiller:
Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei
Und würd’ er in Ketten geboren.
![Gotthold_Ephraim_Lessing[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/08/Gotthold_Ephraim_Lessing1.png)
aus „Nathan der Weise“
![330px-Cyrano_Mond[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/09/330px-Cyrano_Mond1.jpg)
![Portrait_of_Alexander_Pope[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/09/Portrait_of_Alexander_Pope1.jpg)
aus „Moralische Essays“


Dieses 1666 erschienene Werk der Herzogin von Newcastle ist eine philosophisch-utopische Erzählung über eine Parallelwelt und gilt als das erste eigenständige Werk der Science-Fiction von einer Frau. Margaret Cavendish versucht hier, so wie auch in den von ihr verfassten zahlreichen Gedichten und Theaterstücken, ihre wissenschaftlichen und philosophischen Ideen greifbar zu machen.



Dieses satirische Werk von 1759 kritisiert die Philosophie des Optimismus, speziell Leibniz, und die gesellschaftlichen Missstände seiner Zeit. Die Hauptfigur Candide reist durch die Welt und erlebt zahlreiche Katastrophen, die seinen Glauben an eine gütige Vorsehung erschüttern. Voltaire verwendet Humor und Ironie, um politische und religiöse Dogmen zu hinterfragen.



In diesem um 1770 entstandenen und postum 1796 veröffentlichten Roman reisen Jacques und sein Herr durch Frankreich und streiten dabei über die Frage, ob menschliches Handeln durch Schicksal und Notwendigkeit bestimmt oder frei ist. Diderot durchbricht dabei bewusst die Erzählkonventionen: Der Erzähler kommentiert die Handlung, unterbricht sie und lässt Figuren über ihre eigene Geschichte diskutieren. So wird der Roman selbst zu einem literarischen Experiment über Freiheit, Determinismus, Zufall und die Macht des Erzählens.



Bei diesem Werk handelt es sich um einen berühmten, 1721 anonym in Amsterdam veröffentlichten Briefroman von Charles de Secondat, Baron de Montesquieu. Das Werk gilt als ein Schlüsseltext der europäischen Aufklärung und nutzt ein cleveres literarisches Stilmittel – den Blick von außen – um die französische Gesellschaft kritisch und satirisch zu durchleuchten.
Die Briefe sparen nicht mit scharfer Satire auf die französische Politik, den Hochmut des Adels sowie die Dogmen und Widersprüche der christlichen Kirche und des Papstes. Das Werk ist ein leidenschaftlicher Aufruf zu Vernunft, Freiheit und religiöser Toleranz.



Dieser Briefroman über Liebe, Moral und gesellschaftliche Konventionen war eines der erfolgreichsten Bücher des 18. Jahrhunderts. Rousseau entfaltet darin seine Vorstellungen von Natur und Tugend.
Die Figuren stehen im Spannungsfeld zwischen persönlichem Gefühl, gesellschaftlicher Ordnung und moralischer Verantwortung. Der Roman machte Rousseau zu einem wichtigen Wegbereiter der Empfindsamkeit und beeinflusste die europäische Literatur seiner Zeit wesentlich.
