John Locke

* 29.08.1632 in Wrington
† 28.10.1704 in Oates
gehört zu den bedeutendsten Philosophen der Neuzeit.
Mit seinen Arbeiten zur Erkenntnistheorie, politischen Philosophie und Pädagogik prägte er die europäische Aufklärung nachhaltig. Seine Gedanken beeinflussten nicht nur spätere Denker wie Voltaire, David Hume und Immanuel Kant, sondern auch die Entstehung moderner Verfassungsstaaten.

Fama

Kupferstich von T. Millow, 1804, nach R. Smirke
(public domin)

Das Bild ist ein allegorisches Kunstwerk, das aus der Sammlung der Wellcome Library stammt. Es zeigt die Figur der Fama (Ruhm, Berühmtheit) als zentrale Darstellung. Fama ist eine allegorische Personifikation, die häufig in Kunst und Literatur verwendet wird, um die Verbreitung von Ruhm, Wissen oder Informationen zu symbolisieren. Die Figur, dargestellt als geflügelte Frau, schwebt über der Erde. Sie trägt eine Lampe, die als Symbol des Wissens, der Aufklärung oder der Wahrheit interpretiert werden kann. Die Lampe weist darauf hin, dass Fama Licht in die Dunkelheit bringt, ähnlich wie Wissen oder Bekanntheit in der Welt verbreitet wird.
Gewürdigt werden in diesem Bild neben John Locke: Isaac Newton, Robert Boyle, Kenelm Digby, Isaac Barrow, Thomas Hobbes, Edmond Halley.

Die natürliche Freiheit des Menschen bedeutet, dass er frei ist von jeder höheren Gewalt auf Erden und nicht dem Willen oder der gesetzgebenden Gewalt eines Menschen untersteht, sondern allein das Gesetz der Natur zu seinem Rechtsgrundsatz erhebt.

John Locke wurde am 29. August 1632 in Wrington in der englischen Grafschaft Somerset geboren und wuchs in einer puritanisch geprägten Familie auf. Sein Vater kämpfte im Englischen Bürgerkrieg auf Seiten des Parlaments gegen König Karl I., was Lockes spätere Wertschätzung für politische Freiheit und die Begrenzung staatlicher Macht mitprägte. Locke besuchte die renommierte Westminster School und studierte anschließend am Christ Church College in Oxford, unter anderem Philosophie und Medizin.

Ein entscheidender Abschnitt seines Lebens begann mit seiner Verbindung zu Anthony Ashley Cooper, einem führenden englischen Staatsmann. Locke wurde dessen persönlicher Arzt, Berater und Vertrauter. Der Einblick, den er dabei in die politische Arbeit gewann, beeinflusste sein Denken maßgeblich.

Lockes bedeutendster Beitrag zur Philosophie liegt in seiner Erkenntnistheorie. In seinem Hauptwerk Essay Concerning Human Understanding (1690) widersprach er der Vorstellung angeborener Ideen. Der menschliche Geist sei bei der Geburt eine tabula rasa, also ein „unbeschriebenes Blatt“. Alle Erkenntnis entstehe durch Erfahrung, entweder durch Sinneswahrnehmung oder durch die Reflexion über eigene geistige Vorgänge. Damit wurde Locke zum Begründer des modernen Empirismus. Wissen entsteht nach seiner Auffassung schrittweise aus der Verarbeitung von Erfahrungen und nicht aus angeborenen Wahrheiten.

Ebenso einflussreich war Lockes politische Philosophie, die er in den Two Treatises of Government entwickelte. Er vertrat die Ansicht, dass alle Menschen von Natur aus frei und gleich seien. Jeder Mensch besitze unveräußerliche Rechte auf Leben, Freiheit und Eigentum. Der Staat entstehe durch einen Gesellschaftsvertrag, dessen Zweck der Schutz dieser Rechte sei. Missbrauche eine Regierung ihre Macht, hätten die Bürger das Recht zum Widerstand und sogar zum Regierungswechsel. Diese Gedanken wurden später zu einer wichtigen Grundlage des Liberalismus und beeinflussten maßgeblich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung sowie zahlreiche moderne Verfassungen.

Auch in der Religionsphilosophie setzte Locke neue Akzente. In seinem Letter Concerning Toleration forderte er weitgehende religiöse Toleranz und sprach sich gegen staatlichen Zwang in Glaubensfragen aus. Kirche und Staat sollten unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Der Staat habe für Frieden und Sicherheit zu sorgen, während Religion auf freiwilliger Überzeugung beruhen müsse. Damit leistete Locke einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Religionsfreiheit.

Darüber hinaus verfasste Locke mit Some Thoughts Concerning Education ein einflussreiches Werk über Erziehung. Er betonte die Bedeutung von Erfahrung, vernünftiger Disziplin und praktischer Bildung. Kinder sollten nicht durch Strafen, sondern durch Einsicht und Gewöhnung zu selbstständigem Denken erzogen werden.

John Lockes Philosophie verbindet Vertrauen in die menschliche Vernunft mit einer konsequent empirischen Methode. Seine Ideen über Erfahrung, Freiheit, Menschenrechte und religiöse Toleranz gehören bis heute zu den Grundpfeilern moderner demokratischer Gesellschaften und machen ihn zu einem der einflussreichsten Denker der europäischen Geistesgeschichte.

Er starb am 28. Oktober 1704 in Oates in Essex.

Ehrungen

Gemälde von Herman Verelst (1689)
Gemälde von Michael Dahl (1693)
Gemälde von John Greenhill (1672)

Er war ein Mann von sanftem, schüchternem und liebenswürdigem Gemüt, weithin beliebt und geschätzt, ohne Feinde, und mit einer erstaunlichen Fähigkeit ausgestattet, einige der originellen und revolutionären Ideen, an denen seine Zeit besonders reich war, aufzunehmen und in einfacher Sprache zu interpretieren.

Isaiah Berlin

Statue an der Royal Academy in London
Gemälde von Godfrey Kneller (1697)
Statue im University College London von Richard Westmacott (um 1810)

allein Locke ging,
mit den aus der Erfahrung geschöpften Grundsätzen,
über die Erfahrung hinaus

Arthur Schopenhauer

Gipsbüste nach John Cheere
John Locke – Medaille von Jean Dassier (um 1730)
Büste im Temple of British Worthies, Stowe
Medaille von François Augustin Caunois (1819)
Büste von John Nost (um 1700)

Bildnachweis
Statue Royal Academy: Andreas Praefcke (CC BY 3.0)
Statue v. Westmacott: Ethan Doyle White (CC BY-SA 4.0)
Gipsbüste: Wimpole Estate© National Trust / Jaron James
Büste im Temple of British Worthies: Philip Halling (CC BY-SA 2.0)

Zitatnachweis
Isaiah Berlin zit. nach worldhistory.org
Arthur Schopenhauer „Parerga und Paralipomena“ (1851)

Essay Concerning Human Understanding 

Versuch über den menschlichen
Verstand
(1690)

In seinem Hauptwerk untersucht
Locke Ursprung, Umfang und
Grenzen menschlicher Erkenntnis
und entwickelt seine berühmte Lehre
von der tabula rasa, wonach das
menschliche Bewusstsein bei der
Geburt wie ein weißes Blatt Papier
ist, und alles Wissen aus Erfahrungen
hervorgeht.

„Keines Menschen Kenntnis kann
über seine Erfahrung hinausgehen.“


lesen bei Zeno

Two Treatises of Government

Zwei Abhandlungen über die
Regierung
(1690)

Locke begründet hier seine Theorie
der natürlichen Rechte auf Leben,
Freiheit und Eigentum sowie den
Staat als Ergebnis eines
Gesellschaftsvertrags. Zugleich
verteidigt er das Recht der Bürger,
eine Regierung abzusetzen, wenn sie
diese grundlegenden Rechte
verletzt.

A Letter Concerning Toleration 

Brief über die Toleranz (1689)

Locke fordert eine weitgehende
religiöse Toleranz und lehnt
staatlichen Zwang in Glaubensfragen
entschieden ab. Kirche und Staat
sollen nach seiner Auffassung
unterschiedliche Aufgaben erfüllen,
damit sowohl die Gewissensfreiheit
als auch der gesellschaftliche Frieden
gewahrt bleiben.

Some Thoughts Concerning Education

Gedanken zur Erziehung (1693)

In dieser Schrift entwickelt Locke ein
Erziehungskonzept, das auf
Erfahrung, Vernunft und der
Ausbildung eines guten Charakters
beruht. Er empfiehlt eine praktische,
an den individuellen Fähigkeiten
orientierte Bildung und lehnt
übermäßige Härte in der Erziehung
ab.

In unserem Kinosaal findest du Videos zu John Locke, zum Beispiel: