Plutarch

* um 45 in Chaironeia (Griech.)
† um 120
war ein bedeutender griechischer Philosoph, Historiker und Schriftsteller. Er zählt zu den einflussreichsten Vertretern des Mittelplatonismus und ist vor allem durch seine biografischen und moralphilosophischen Werke bekannt.

Plutarch von Chaironeia war ein bedeutender antiker griechischer Philosoph, Historiker und Schriftsteller. Er zählt zu den einflussreichsten Vertretern des sogenannten Mittelplatonismus und ist vor allem durch seine biografischen und moralphilosophischen Werke bekannt, die bis in die Neuzeit hinein große Wirkung entfalteten.

Plutarch wurde um das Jahr 120 in Chaironeia, einer antiken griechischen Stadt geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden und angesehenen Familie. Seine Herkunft ermöglichte ihm eine umfassende Bildung; er studierte vermutlich in Athen, dem damaligen Zentrum philosophischer Ausbildung, wo er sich intensiv mit der platonischen Philosophie auseinandersetzte, die er mit religiösen und ethischen Fragestellungen verband.

Skulptur aus Delphi, 3. Jhd.

Im Laufe seines Lebens reiste Plutarch mehrfach nach Rom, wo er Vorträge hielt und Kontakte zu hochrangigen römischen Politikern pflegte. Er erhielt das römische Bürgerrecht und trug fortan den Namen Lucius Mestrius Plutarchus, benannt nach seinem Gönner Mestrius Florus. Trotz dieser engen Verbindung zur römischen Elite kehrte Plutarch immer wieder in seine Heimatstadt zurück, wo er öffentliche Ämter übernahm. Zudem war er viele Jahre Oberpriester am Apollonheiligtum von Delphi, einem der bedeutendsten religiösen Zentren der griechischen Welt.

Plutarchs schriftstellerisches Werk ist umfangreich und vielfältig. Am bekanntesten sind die „Bioi paralleloi“ („Parallelbiografien“), eine Sammlung von Lebensbeschreibungen bedeutender Griechen und Römer, die jeweils paarweise gegenübergestellt werden, etwa Alexander der Große und Julius Caesar oder Demosthenes und Cicero. Ziel dieser Biografien war weniger eine streng historische Darstellung als vielmehr die moralische Charakterzeichnung. Plutarch interessierte sich besonders für Tugenden, Laster und die ethischen Entscheidungen großer Persönlichkeiten, aus denen der Leser moralische Lehren ziehen sollte.

Neben den Biografien verfasste Plutarch die sogenannten „Moralia“, eine Sammlung von über 70 Abhandlungen zu philosophischen, religiösen, politischen und alltäglichen Themen. Darin behandelt er Fragen der Ethik, der Erziehung, der Seelenlehre, der Religiosität und des richtigen Lebens. Seine Schriften sind geprägt von einem gemäßigten, humanistischen Denken, das Vernunft, Maß und sittliche Bildung betont.

Plutarchs Einfluss reichte weit über die Antike hinaus. In der Renaissance wurden seine Werke neu entdeckt und stark rezipiert; besonders seine Biografien beeinflussten europäische Geschichtsschreibung, Moralphilosophie und Literatur, etwa bei Montaigne und Shakespeare. Plutarch gilt bis heute als Brückenfigur zwischen griechischer Philosophie und römischer Kultur sowie als einer der wichtigsten moralischen Lehrer der Antike.

Mein ganz eigener Plutarch – so vollkommen, so ein hervorragender Beurteiler menschlicher Handlungen.

Michel de Montaigne