* um 470 v. Chr. in Milet
† um 420 v. Chr. in Athen
war eine außergewöhnlich gebildete Frau, deren Einfluss auf Politik, Philosophie und Rhetorik weit über das hinausging, was Frauen ihrer Zeit normalerweise zugestanden wurde.
Bild:
Aspasia inmitten griechischer Philosophen, Michel Corneille d. J. (um 1672)
Zitat:
Christoph Martin Wieland: „Ehrenrettung dreyer berühmter Frauen. Aspasia, Julia, Faustina.“ In: Historischer Calender für Damen für das Jahr 1790
Christoph Martin Wieland

Aspasia von Milet gehört zu den faszinierendsten, zugleich aber auch rätselhaftesten Frauen der griechischen Antike. Trotz der spärlichen und oft von Vorurteilen geprägten Quellen gilt Aspasia als außergewöhnlich gebildete Frau, deren Einfluss auf Politik, Philosophie und Rhetorik weit über das hinausging, was Frauen ihrer Zeit normalerweise zugestanden wurde.
Geboren wurde Aspasia vermutlich um 470 v. Chr. in Milet, einer ionischen Stadt an der kleinasiatischen Küste, die für ihre kulturelle Offenheit und philosophische Tradition bekannt war. Irgendwann zog sie nach Athen, dem politischen und kulturellen Zentrum Griechenlands. Als Metökin, also als ausländische Einwohnerin ohne Bürgerrechte, nahm sie eine Sonderstellung ein. Diese rechtliche Situation ermöglichte ihr zugleich Freiheiten, die athenischen Bürgerinnen verwehrt blieben, etwa die Teilnahme am öffentlichen intellektuellen Leben.
Aspasia lebte in einer dauerhaften, aber rechtlich nicht anerkannten Beziehung mit Perikles, einem der führenden Staatsmänner Athens. Antike Autoren berichten, dass Perikles Aspasia sehr schätzte und sich häufig mit ihr beriet.

Aspasias Haus soll ein Treffpunkt bedeutender Denker gewesen sein. Philosophen wie Sokrates und Anaxagoras verkehrten dort. In den Dialogen Platons und Xenophons erscheint Aspasia als kluge Gesprächspartnerin, insbesondere in Fragen der Rhetorik. Platon lässt Sokrates in seinem Dialog Menexenos sogar andeuten, Aspasia habe Perikles in der Kunst der Rede unterrichtet. Ob dies wörtlich zu nehmen ist oder ironisch gemeint war, bleibt umstritten, doch es verweist auf ihren Ruf als außergewöhnlich gebildete Frau.
Gleichzeitig war Aspasia Ziel heftiger Angriffe. Komödiendichter wie Aristophanes stellten sie als Hetäre oder moralisch zweifelhafte Verführerin dar. Solche Darstellungen spiegeln weniger historische Realität als vielmehr die Angst vieler Athener vor weiblichem Einfluss und fremder Herkunft wider. In einer Gesellschaft, in der Frauen idealerweise unsichtbar blieben, stellte Aspasia eine Provokation dar.
Die Bedeutung Aspasias liegt heute vor allem in ihrer symbolischen Rolle. Sie verkörpert die Möglichkeit weiblicher Bildung und intellektueller Teilhabe in einer stark patriarchalen Gesellschaft. Auch wenn vieles über ihr Leben im Dunkeln bleibt, steht sie für eine alternative weibliche Existenzform jenseits der traditionellen Rollen von Ehefrau und Mutter. In der modernen Geschichtsschreibung und feministischen Forschung wird Aspasia daher als frühes Beispiel weiblicher Selbstbestimmung und geistiger Autorität gewürdigt.

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Bildnachweis
Büste Athen: Armineaghayan (CC BY-SA 4.0)
Statue Wien: Herzi Pinki (CC BY-SA 4.0)