* 03.01.106 v. Chr. in Arpino
† 07.12.43 v. Chr. bei Formia
war Politiker, Redner, Philosoph und Schriftsteller und prägte wie kaum ein anderer das geistige Selbstverständnis der späten Römischen Republik.

Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.) zählt zu den bedeutendsten Gestalten der römischen Antike. Er war Politiker, Redner, Philosoph und Schriftsteller und prägte wie kaum ein anderer das geistige Selbstverständnis der späten Römischen Republik. Seine Biografie ist eng mit den politischen Krisen seiner Zeit verbunden, während seine philosophischen Werke bis heute als Schlüssel zur Rezeption der griechischen Philosophie im lateinischen Westen gelten.

Cicero wurde 106 v. Chr. in Arpino in eine wohlhabende Ritterfamilie geboren. Anders als viele führende Politiker Roms entstammte er nicht dem alten Senatorenadel, was seinen späteren Aufstieg umso bemerkenswerter macht. Er erhielt eine umfassende Ausbildung in Rhetorik, Recht und Philosophie, unter anderem in Rom, Athen und Rhodos. Früh zeigte sich sein außergewöhnliches Talent als Redner, das ihm rasch Anerkennung einbrachte. Seine politische Laufbahn folgte dem traditionellen cursus honorum (Ämterlaufbahn) und erreichte ihren Höhepunkt 63 v. Chr., als er zum Konsul gewählt wurde.
Berühmt wurde Cicero vor allem durch sein entschlossenes Vorgehen gegen die Catilinarische Verschwörung, einen Umsturzversuch unter Führung des Senators Catilina. Mit seinen scharfen Reden verteidigte er die Republik, ließ jedoch auch Verschwörer ohne ordentliches Gerichtsverfahren hinrichten. Diese Entscheidung brachte ihm kurzfristig Ruhm, langfristig aber politische Feinde und schließlich das Exil ein. In den folgenden Jahren geriet Cicero zunehmend zwischen die Fronten mächtiger Akteure wie Pompeius, Caesar und später Marcus Antonius. Nach Caesars Ermordung stellte er sich rhetorisch gegen Antonius, was ihm letztlich zum Verhängnis wurde: 43 v. Chr. wurde Cicero ermordet und sein Leichnam geschändet.
Philosophisch kommt Cicero eine besondere Rolle zu, obwohl er kein origineller Denker im strengen Sinne war. Seine große Leistung besteht darin, die griechische Philosophie – insbesondere den Stoizismus, den Platonismus und den Skeptizismus – für ein römisches Publikum zugänglich gemacht zu haben. Er schrieb auf Latein, nicht auf Griechisch, und schuf dabei erstmals eine philosophische Fachsprache, die später das Denken des Mittelalters und der Neuzeit nachhaltig beeinflusste.
In Werken wie De re publica, De legibus und De officiis verband Cicero Philosophie mit politischer Praxis. Zentrale Themen sind Gerechtigkeit, Pflicht, Naturrecht und die beste Staatsform. Besonders einflussreich ist seine Vorstellung eines universalen Naturrechts, das allen positiven Gesetzen übergeordnet ist und aus der Vernunft des Menschen hervorgeht. Diese Idee wirkte weit über die Antike hinaus, etwa auf christliche Denker wie Augustinus und Thomas von Aquin sowie auf die politische Philosophie der Aufklärung.
Cicero verkörpert damit den Typus des humanistischen Intellektuellen, der moralische Reflexion, politische Verantwortung und sprachliche Brillanz vereint. Seine Biografie zeigt die Spannungen eines Denkers in unruhigen Zeiten, seine Philosophie den Versuch, Ordnung, Vernunft und Ethik in einer zerfallenden Republik zu bewahren.

Von Marcus Tullius Cicero ist ein außergewöhnlich großer Teil seines Werkes erhalten. Er ist der am besten überlieferte Autor der römischen Antike.
Einige seiner Werke findest du in unserer Bibliothek.
Etwa 58 Reden sind vollständig oder weitgehend erhalten. Sie lassen sich in Gerichts-, politische und Festreden gliedern.
Bekannte Gerichtsreden:
Politische Reden:
Weitere bedeutende Reden:
Diese Werke entstanden vor allem in Ciceros späteren Lebensjahren.
Ethik und Lebensführung:
Erkenntnistheorie und Religion:
Staatsphilosophie:
Diese Werke behandeln Theorie und Praxis der Redekunst.
Ciceros Briefe sind eine der wichtigsten Quellen zur römischen Geschichte des 1. Jh. v. Chr.
Zur Einordnung, obwohl nicht erhalten:

![960px-Cicero_-_Musei_Capitolini[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/02/960px-Cicero_-_Musei_Capitolini1.png)
![Cicero_-_Palazzo_di_Giustizia[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/01/Cicero_-_Palazzo_di_Giustizia1.jpg)

![960px-Ciceron_Vaux[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/02/960px-Ciceron_Vaux1-e1770201009714.png)



![Tancredi_Scarpelli_-_The_Death_of_Cicero_-_(MeisterDrucke-1420687)[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/01/Tancredi_Scarpelli_-_The_Death_of_Cicero_-_MeisterDrucke-14206871.jpg)
![1280px-Cicero_discovering_tomb_of_Archimedes_(_Paolo_Barbotti_)[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/01/1280px-Cicero_discovering_tomb_of_Archimedes__Paolo_Barbotti_1-1170x830.jpeg)




![330px-The_so-called_Tomb_of_Cicero,_Formia_(14358511388)[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/02/330px-The_so-called_Tomb_of_Cicero_Formia_143585113881.jpg)
Georg W. F. Hegel
Die Pflanzengattung Ciceronia und der Asteroid (9446)
wurden nach Cicero benannt.
Richard David Precht
Bildnachweis
Marmorbüste Rom: Glauco92 (CC BY-SA 3.0)
Statue Justizpalast Rom: Augurmm (CC BY-SA 4.0)
Statue Justizpalast Amiens: Patrick (CC BY-SA 2.0)
Grabmal: Carole Raddato (CC BY-SA 2.0)
Zitatnachweis
Georg W. F. Hegel „Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie“
Richard D. Precht „Erkenne die Welt“ Geschichte der Philosophie Bd. 1

Videos zu Cicero findest du in unserem Kinosaal, zum Beispiel: