* um 341 v. Chr. auf Samos
† um 270 v. Chr. in Athen
war ein griechischer Philosoph, dessen Lehre die Betonung des hedonistischen Prinzips der Lust als höchstem Gut und die Suche nach innerem Seelenfrieden durch die Vermeidung von Schmerz und Angst hervorhebt.


Epikur wurde 341 v. Chr. auf der Insel Samos geboren. Seine Eltern waren athenische Siedler, dadurch wurde er Bürger Athens. Früh kam er mit der Philosophie in Berührung, unter anderem mit dem Platoniker Pamphilos und später mit dem Demokriteer Nausiphanes, durch den er die atomistische Naturlehre des Demokrit kennenlernte.
Nach Wanderjahren in Kleinasien ließ sich Epikur um 306 v. Chr. dauerhaft in Athen nieder. Dort gründete er seine eigene Schule, den sogenannten „Kepos“ (Garten). Anders als die Akademie oder das Lykeion war diese Gemeinschaft bewusst privat organisiert. Der Garten war nicht nur Lehrstätte, sondern Lebensgemeinschaft. Bemerkenswert war seine Offenheit: auch Frauen und Sklaven konnten teilnehmen – für die damalige Zeit ein ungewöhnlich inklusiver Ansatz.

Epikur lebte vergleichsweise zurückgezogen und mied die politische Öffentlichkeit. Zahlreiche Briefe und Lehrschriften verfasste er zur Darlegung seiner Philosophie; nur ein kleiner Teil ist vollständig erhalten. Überliefert sind vor allem drei Lehrbriefe und die „Hauptlehrsätze“. Unsere wichtigste Quelle für sein Leben ist Diogenes Laertios, der mehrere Jahrhunderte später eine Biografie Epikurs überlieferte.
Epikur starb 270 v. Chr. in Athen, vermutlich nach längerer Krankheit, der er – nach eigener Darstellung – mit philosophischer Gelassenheit begegnete.

Epikurs Philosophie gliedert sich traditionell in drei Bereiche: Kanonik (Erkenntnistheorie), Physik (Naturlehre) und Ethik. Ziel seiner gesamten Lehre ist die Befreiung des Menschen von Angst und seelischer Unruhe.
Epikur vertrat einen empiristischen Ansatz: Alle Erkenntnis beginnt mit der Sinneswahrnehmung. Wahrnehmungen sind an sich wahr; Irrtümer entstehen erst durch falsche Urteile über das Wahrgenommene. Zusätzlich gelten „Vorbegriffe“ (prolepseis) und Gefühle (Lust und Unlust) als Kriterien der Wahrheit.
In der Tradition Demokrits lehrte Epikur eine atomistische Welterklärung: Alles besteht aus unteilbaren Atomen und leerem Raum. Auch die Seele ist materiell und zerfällt mit dem Tod. Damit wandte er sich gegen die Vorstellung einer unsterblichen Seele und gegen die Angst vor göttlicher Strafe im Jenseits. Die Götter existieren für ihn zwar, leben jedoch in vollkommener Glückseligkeit und greifen nicht in das Weltgeschehen ein. Naturereignisse haben natürliche Ursachen – nicht den Zorn göttlicher Mächte.
Ein wichtiges Element seiner Physik ist der sogenannte „clinamen“, die minimale Abweichung der Atome von ihrer geraden Bahn. Dadurch wird Raum für Zufälligkeit und menschliche Freiheit geschaffen.

Zentral ist die These: Das höchste Gut ist die Lust (hedone). Allerdings meinte Epikur keine maßlose Sinneslust, sondern die Abwesenheit von Schmerz (aponia) und seelischer Erschütterung (ataraxia). Wahres Glück besteht in innerer Ruhe. Dazu genügt ein einfaches Leben mit maßvollen Bedürfnissen, Freundschaft und philosophischer Reflexion.
Epikur unterschied zwischen natürlichen und notwendigen, natürlichen aber nicht notwendigen sowie nicht natürlichen Bedürfnissen. Weisheit besteht darin, nur die wirklich notwendigen zu befriedigen. Politische Macht, Ruhm oder Reichtum führen meist zu Unruhe statt zu Glück.
Der Epikureismus wurde in der Antike zu einer bedeutenden philosophischen Schule und wirkte über die römische Welt – etwa durch Lukrez – weit in die Geistesgeschichte hinein. Trotz späterer Missverständnisse steht Epikur nicht für zügellosen Genuss, sondern für eine Philosophie der Maßhaltung, Freundschaft und angstfreien Lebensführung.
Videos über Epikur findest du in unserem Kinosaal, zum Beispiel:
Bildnachweis
Doppelherme: Eric Gaba (CC BY-SA 2.5)
Bild:
Epikur im Garten mit seinen Bewuderern
(mit KI erstellt)
Karl Marx
Georg W. F. Hegel
Johann W. Goethe
Friedrich Nietzsche
Arthur Schopenhauer


Epikurs Wirkung auf die Nachwelt war beachtlich, jedoch alles andere als einheitlich. Während seine Schüler und Nachfolger in Athen ihn geradezu kultisch verehrten, machte sich im Römischen Reich Skepsis gegenüber der epikureischen Lehre breit. Die Römer waren dem Stoizismus mehr zugeneigt.
Im Mittelalter, mit der Festigung des Christentums, wurden die Epikureer als Gotteslästerer und Sklaven der Lust angesehen. Noch Martin Luther benutzte den Ausdruck „Epikureer“ als Schimpfwort.
Während der Zeit der Aufklärung wandelte sich dieses Bild. Philosophen wie Thomas Hobbes und Christian Thomasius versuchten, Epikurs Lehre ins rechte Licht zu rücken. Dennoch blieb immer eine gewisse Ambivalenz bestehen.
Hegel fand Epikur nicht sonderlich originell, gestand ihm aber zu, „der Erfinder der empirischen Naturwissenschaft, empirischen Psychologie“ zu sein.
Marx und Engels hoben hervor, dass Epikur als erster beschrieb, dass „der Staat auf einem gegenseitigen Vertrage der Menschen, einem contrat social beruhe“. Sie waren Epikur außerdem wohlgesonnen, weil er „die antike Religion offen angriff … daher hat Epikur bei allen Kirchenvätern, von Plutarch bis Luther, den Ruf des gottlosen Philosophen par excellence, des Schweins, behalten“.

Für Arthur Schopenhauer war es „der schmerzenslose Zustand, den Epikuros als das höchste Gut und als den Zustand der Götter pries“.
„Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtete Epikur den Tod und sagte daher ganz richtig ho thanatos mêden pros hêmas (der Tod geht uns nichts an); mit der Erläuterung, dass wann wir sind, der Tod nicht ist, und wann der Tod ist, wir nicht sind.“
Später ergänzte Schopenhauer diese Erkenntnis:
„Kommt zu einem schmerzlosen Zustand noch die Abwesenheit der Langenweile; so ist das irdische Glück im wesentlichen erreicht.“
Auch Nietzsche zeigte sich von Epikur begeistert:
„Ja, ich bin stolz darauf, den Charakter Epikurs anders zu empfinden, als irgend Jemand vielleicht, und bei Allem, was ich von ihm höre und lese, das Glück des Nachmittags des Altertums zu genießen: − ich sehe sein Auge auf ein weites weißliches Meer blicken, über Uferfelsen hin, auf denen die Sonne liegt, während großes und kleines Getier in ihrem Lichte spielt, sicher und ruhig wie dies Licht und jenes Auge selber. Solch ein Glück hat nur ein fortwährend Leidender erfinden können, das Glück eines Auges, vor dem das Meer des Daseins stille geworden ist, und das nun an seiner Oberfläche und an dieser bunten, zarten, schaudernden Meeres−Haut sich nicht mehr satt sehen kann: es gab nie zuvor eine solche Bescheidenheit der Wollust.“
Später bescheinigte Nietzsche ihm allerdings eine gewisse Dekadenz, weil seine Lehre den „Willen zur Macht“ vermissen lässt.
Zitatnachweis
G. W. F. Hegel: „Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie“
K. Marx, F. Engels „Die deutsche Ideologie“ (1845/46)
A. Schopenhauer „Die Welt als Wille und Vorstellung“ (1818) + „Aphorismen zur Lebensweisheit“ (1851)
F. Nietzsche „Morgenröte“ (1881)
Bildnachweis
Büste: Jamie Heath (CC BY-SA 3.0)