* 22.01.1561 in London
† 09.04.1626 in Highgate/London
war ein englischer Philosoph, Jurist und Staatsmann, der als einer der Begründer der Wissenschaftstheorie und des modernen Empirismus gilt.

Francis Bacon wurde am 22. Januar 1561 in London geboren. Sein Vater, Sir Nicholas Bacon, war Lord Keeper des Great Seal und gehörte zu den wichtigsten politischen Persönlichkeiten unter Elisabeth I.. Seine Mutter, Anne Cooke Bacon, war hochgebildet und stark vom Humanismus geprägt, was Bacons intellektuelle Entwicklung früh beeinflusste. Bereits im Alter von zwölf Jahren trat er in das Trinity College in Cambridge ein. Dort entwickelte er bereits früh Skepsis an der vorherrschenden scholastischen Lehre, die sich stark auf Aristoteles stützte.
1576 wurde Bacon als Teil einer diplomatischen Mission nach Frankreich geschickt, wo er am Hof von Heinrich III. lebte. Diese Zeit prägte ihn stark, da er Einblicke in die europäische Politik und Kultur gewann. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters im Jahr 1579 musste Bacon jedoch nach England zurückkehren, weil das erwartete Erbe weitgehend ausblieb. Dadurch war er gezwungen, eine juristische Laufbahn einzuschlagen, um seinen Lebensunterhalt zu sichern.
Er studierte am Gray’s Inn und wurde 1582 als Anwalt zugelassen. In den folgenden Jahren bemühte er sich intensiv um eine politische Karriere. 1584 wurde er erstmals ins Parlament gewählt. Trotz seiner Fähigkeiten verlief sein Aufstieg zunächst schleppend, da er nicht die volle Unterstützung einflussreicher Gönner hatte. Besonders sein Verhältnis zu Robert Devereux, 2. Earl of Essex, einem seiner wichtigsten Förderer, war ambivalent: Bacon profitierte zunächst von dessen Unterstützung, distanzierte sich jedoch später politisch von ihm. Als Essex 1601 wegen Rebellion gegen die Krone angeklagt wurde, spielte Bacon sogar eine Rolle bei dessen Anklage – ein Schritt, der ihm viel Kritik einbrachte.

Erst unter König Jakob I. begann Bacons eigentlicher politischer Aufstieg. Er wurde 1607 Solicitor General, 1613 Attorney General und schließlich 1618 Lordkanzler, eines der höchsten Staatsämter Englands. Im selben Jahr wurde er zum Baron Verulam erhoben, später zum Viscount St Albans. In dieser Zeit erreichte er den Höhepunkt seiner politischen Macht.
Doch seine Karriere nahm ein abruptes Ende: 1621 wurde Bacon wegen Bestechlichkeit angeklagt. Er gestand, Geschenke angenommen zu haben, bestritt jedoch, dass diese seine Urteile beeinflusst hätten. Dennoch wurde er verurteilt, verlor alle Ämter und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Obwohl er später teilweise rehabilitiert wurde, war seine politische Laufbahn endgültig beendet.
In seinen letzten Lebensjahren widmete sich Bacon intensiv der Philosophie und Wissenschaft. Er arbeitete an seinem großen Projekt, einer umfassenden Reform des Wissens.
Francis Bacon starb am 9. April 1626 unter ungewöhnlichen Umständen: Berichten zufolge zog er sich eine Lungenentzündung zu, nachdem er ein Experiment zur Konservierung von Fleisch durch Kälte durchgeführt hatte – ein Ereignis, das symbolisch für seine Hingabe an die empirische Forschung steht.


Francis Bacons philosophische Bedeutung liegt vor allem in der Entwicklung einer neuen Methode des Erkenntnisgewinns. Er markiert den Übergang von der scholastischen Denkweise hin zu einer empirisch fundierten Wissenschaft. Bacon forderte, Wissen systematisch durch Beobachtung und Experiment zu gewinnen, anstatt sich auf Autoritäten zu verlassen.
Sein 1605 erschienenes Werk De dignitate et augmentis scientiarum (Über die Würde und den Fortgang der Wissenschaften) stellt einen ersten Versuch dar, eine universelle wissenschaftliche Enzyklopädie zu schaffen.
Bacon verstand Wissenschaft nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zur Verbesserung des menschlichen Lebens. Sein berühmter Ausspruch „Wissen ist Macht“ bringt diese Haltung auf den Punkt. Für ihn sollte Forschung praktische Ergebnisse liefern, etwa technische Innovationen oder medizinische Fortschritte. Damit beeinflusste er maßgeblich die Entwicklung der Aufklärung und das moderne Verständnis von Fortschritt.
Mit seinem Hauptwerk Novum Organum (1620) will Bacon die große Erneuerung der Wissenschaft (Instauratio magna) einleiten. Darin wendet er sich gegen die deduktive Methode der Scholastik und propagierte stattdessen die Induktion. Erkenntnis solle nicht aus vorgegebenen Prinzipien abgeleitet werden, sondern durch systematische Beobachtung und Experiment gewonnen werden. Damit legt Bacon die Grundlagen für das, was später zur empirischen Wissenschaft wurde.
Ein zentraler Bestandteil dieses Buches ist die Lehre von den „Idolen“, Trugbilder, die das menschliche Denken verzerren. Diese unterteilte er in vier Kategorien: Idole des Stammes (allgemeine menschliche Denkfehler), der Höhle (individuelle Vorurteile), des Marktplatzes (sprachliche Missverständnisse) und des Theaters (blinde Übernahme philosophischer Systeme). Diese Analyse gilt als früher Beitrag zur Erkenntnistheorie und Wissenschaftskritik.
Auch wenn Bacon nicht selbst viele konkrete wissenschaftliche Entdeckungen machte, war sein Einfluss enorm. Seine Ideen inspirierten spätere Denker wie René Descartes und Isaac Newton, die die wissenschaftliche Revolution weiter vorantrieben. Bacons Forderung nach methodischer Strenge und kritischer Selbstreflexion prägt die Wissenschaft bis heute und macht ihn zu einem der einflussreichsten Denker der frühen Neuzeit.

![Loc-bacon-highsmith[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/04/Loc-bacon-highsmith1.jpg)
![500px-6_Burlington_Gardens_facade_Bacon[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/04/500px-6_Burlington_Gardens_facade_Bacon1.jpg)
G. W. F. Hegel

![960px-Francis_Bacon,_Viscount_St_Alban_from_NPG_(2)[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/04/960px-Francis_Bacon_Viscount_St_Alban_from_NPG_21.jpg)
![William_Larkin_Sir_Francis_Bacon_2[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/04/William_Larkin_Sir_Francis_Bacon_21.jpg)




Bildnachweis
Statue Burlington Gardens: Andreas Praefcke (CC BY 3.0)
Zitatnachweis
Hegel „Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie“

Eine der bekanntesten Autorschafts-Theorien rund um die Werke von William Shakespeare behauptet, dass nicht Shakespeare selbst, sondern Francis Bacon der eigentliche Verfasser der berühmten Dramen und Sonette gewesen sei. Diese These entstand vor allem im 19. Jahrhundert und gewann insbesondere in literarischen und esoterischen Kreisen Aufmerksamkeit.
Die Anhänger der Theorie führen ins Feld, dass Bacon aufgrund seiner umfassenden Bildung, seiner juristischen Kenntnisse und seiner Nähe zum englischen Hof wesentlich besser geeignet gewesen sei, die komplexen Themen und detaillierten Darstellungen in Shakespeares Werken zu verfassen. Sie verweisen darauf, dass die Stücke ein tiefes Wissen über Recht, Politik, Philosophie und höfische Gepflogenheiten zeigen – Kenntnisse, die man dem aus vergleichsweise einfachen Verhältnissen stammenden Shakespeare nicht zutraute.
Ein weiterer zentraler Punkt der Bacon-Theorie sind angebliche verschlüsselte Botschaften in den Texten. Einige Befürworter glauben, Bacon habe geheime Codes oder chiffrierte Hinweise in den Werken hinterlassen, die auf seine Urheberschaft hindeuten. Diese Ideen wurden besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert populär, als das Interesse an Kryptographie und verborgenen Bedeutungen zunahm.
Trotz ihrer Popularität gilt die Bacon-Theorie in der heutigen Forschung als weitgehend widerlegt. Historische Dokumente belegen, dass Shakespeare als Autor und Schauspieler tätig war und seine Werke unter seinem Namen veröffentlicht wurden. Zudem gibt es keine belastbaren Beweise dafür, dass Bacon literarische Werke dieser Art verfasst hat. Stilanalysen zeigen ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen Bacons philosophischen Schriften und den dramatischen Werken Shakespeares.
Die Theorie wird heute vor allem als Beispiel für literarische Verschwörungstheorien betrachtet. Sie spiegelt weniger historische Realität wider als vielmehr gesellschaftliche Vorstellungen darüber, wer als würdig gilt, große Kunst zu schaffen. Dennoch bleibt sie ein interessantes Kapitel der Rezeptionsgeschichte Shakespeares und zeigt, wie stark kulturelle Mythen die Wahrnehmung von Autorschaft prägen können.