* 14.12.1631 in London
† 18.02.1679 in London
zählt zu den bedeutendsten Philosophinnen des 17. Jahrhunderts. Obwohl sie zu Lebzeiten kaum veröffentlichte, übte sie einen nachhaltigen Einfluss auf die Philosophie ihrer Zeit aus. Sie entwickelte eine eigenständige Metaphysik, die sich von den damals dominierenden Positionen des Dualismus und Materialismus deutlich unterschied.

Als Anne Finch wurde sie 1631 in London in eine wohlhabende englische Adelsfamilie geboren. Aufgrund ihres Geschlechts blieb ihr der Zugang zu den Universitäten verwehrt. Dennoch erhielt sie eine außergewöhnlich umfassende Bildung. Eine entscheidende Rolle spielte dabei der Philosoph und Platoniker Henry More von der Universität Cambridge, der ihr Lehrer und lebenslanger Briefpartner wurde. Durch ihn kam Conway mit den Ideen des Neuplatonismus sowie mit den philosophischen Debatten ihrer Zeit in Berührung.

1651 heiratete sie Edward Conway, späterer Earl of Conway. Einen Großteil ihres Lebens verbrachte sie auf dem Familiensitz Ragley Hall. Dort führte sie einen Kreis von Gelehrten und religiösen Denkern zusammen. Besonders prägend war ihre Begegnung mit dem Mystiker Francis Mercury van Helmont, der sie mit der jüdischen Kabbala und spirituellen Strömungen vertraut machte. Diese Einflüsse spiegeln sich deutlich in ihrem philosophischen Werk wider.
Conways Leben war von körperlichen Leiden überschattet. Über viele Jahre litt sie unter schwerer Migräne und anderen chronischen Beschwerden. Diese Erfahrungen verstärkten ihr Interesse an Fragen nach der Natur des Menschen, der Seele und dem Verhältnis von Körper und Geist.
Philosophisch wandte sich Conway gegen den Dualismus René Descartes’, der Geist und Materie als zwei grundsätzlich verschiedene Substanzen verstand. Nach Conway besteht die gesamte Schöpfung aus einer einzigen Art von Substanz, die jedoch unterschiedliche Grade der Vollkommenheit annehmen kann. Alle geschaffenen Wesen besitzen Leben und sind grundsätzlich veränderungsfähig. Zwischen Gott und den geschaffenen Dingen besteht keine unüberbrückbare Trennung, sondern eine abgestufte Ordnung des Seins.
Ein zentrales Merkmal ihrer Philosophie ist die Vorstellung, dass alle Geschöpfe sich moralisch und geistig weiterentwickeln können. Leid und Strafe dienen nicht der Vergeltung, sondern der Läuterung und Vervollkommnung. Damit vertritt Conway eine optimistische Sicht auf die Schöpfung, in der letztlich jedes Wesen zur Annäherung an das Gute bestimmt ist. Diese Idee unterscheidet sie sowohl von mechanistischen Naturauffassungen als auch von strengen Vorstellungen ewiger Verdammnis.
Darüber hinaus entwickelte Conway eine Kritik des rein mechanischen Weltbilds. Für sie ist die Natur nicht bloß eine Ansammlung bewegter Materieteilchen, sondern von Lebendigkeit und innerer Aktivität geprägt. Diese Auffassung weist Parallelen zu späteren Konzepten eines dynamischen Naturverständnisses auf und beeinflusste unter anderem Gottfried Wilhelm Leibniz. Besonders ihre Vorstellung lebendiger, miteinander verbundener Substanzen gilt als ein wichtiger Vorläufer von dessen Monadologie. Leibniz besaß ein Exemplar von Conways Werk „The Principles of the Most Ancient and Modern Philosophy“.
Heute wird Anne Conway als eine der originellsten Denkerinnen der frühen Neuzeit angesehen. Ihre Philosophie verbindet Rationalität mit religiöser Spiritualität und entwickelt eine eigenständige Alternative zu den großen Systemen ihrer Epoche. Zugleich zeigt ihre Biografie, wie Frauen trotz erheblicher gesellschaftlicher Einschränkungen bedeutende Beiträge zur Philosophie leisten konnten.
