Arthur Schopenhauer

Arthur Schopenhauer
* 22.02.1788 in Danzig
† 21.09.1860 in Frankfurt am Main
war ein deutscher Philosoph, der hauptsächlich für seine pessimistische Sicht auf das menschliche Leben bekannt ist.
Laut Schopenhauer wird die menschliche Existenz von einem universellen Willen, einer Art unveränderlicher Kraft, beherrscht.
Schopenhauers Werk hatte großen Einfluss auf die Philosophen des 19. und 20. Jahrhunderts, wie Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud oder Max Horkheimer.

Nach einem Sprachaufenthalt in Frankreich 1797-99 und dem Besuch der Rungeschen Privatschule in Hamburg bereiste Schopenhauer 1803 mit seinen Eltern Holland, England, Frankreich, die Schweiz und Österreich. Im Sept. 1804 trat er auf Wunsch des Vaters eine Kaufmannslehre bei dem Handelsherrn Jacob Kabrun in Danzig an, 1805 wechselte er zu dem Großkaufmann Martin Johann Jenisch nach Hamburg. Nach dem Freitod des Vaters 1805 brach Schopenhauer die Kaufmannslaufbahn 1807 ab, um die Hochschulreife in Weimar zu erwerben und sich mit naturwissenschaftlichen und philosophischen Themen zu beschäftigen. Diese doppelte Ausrichtung seiner Interessen behielt Schopenhauer zeitlebens bei. 1809 erhielt Schopenhauer seinen Erbteil, nahm ein Medizinstudium in Göttingen auf und hörte hier u. a. Vorlesungen über Physiologie bei Johann Friedrich Blumenbach. Der aus Helmstedt übergesiedelte Kantianer Gottlob Ernst Schulze machte ihn 1810 mit der Philosophie Immanuel Kants und Platons vertraut. Im Herbst 1811 wechselte Schopenhauer, angezogen von Johann Gottlieb Fichte, an die Univ. Berlin, und hörte dort dessen Vorlesungen über die „Thatsachen des Bewußtseins“. Zudem studierte er bei Friedrich Schleiermacher, den er v. a. als Übersetzer und Interpret der Philosophie Platons schätzte, bei dem Altphilologen Friedrich August Wolf sowie bei dem Zoologen Martin Hinrich Lichtenstein. In seinen hohen Erwartungen an das Studium in Berlin enttäuscht, übersiedelte er im Sommer 1813 nach Rudolstadt, wo er seine Erstlingsschrift „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“ (1813) ausarbeitete, auf deren Grundlage er im Oktober desselben Jahres in Jena in absentia zum Dr. phil. promoviert wurde. In seiner Dissertation beschäftigte sich Schopenhauer mit dem ordnungsstiftenden Grundprinzip, das die gesamte Erscheinungswelt ausnahmslos organisiert, insofern unser Verstand alle seine Erkenntnisse nach dessen Maßgabe und der darin auftretenden logischen Relationen gewinnt: Es ist der Satz vom zureichenden Grund, den er in der Fassung von Christian Wolff (Nihil est sine ratione, cur potius sit quam non sit) übernimmt und mit „Nichts ist ohne Grund, warum es sei und nicht vielmehr nicht sei“ übersetzt. Diesen Satz wertet Schopenhauer zum höchsten und alleinigen Ordnungsprinzip der Welt der Vorstellungen derart auf, dass die Erfahrungsformen von Raum, Zeit und Kausalität zu Sonderfällen dieses Prinzips herabgestuft werden. Die Dissertation, die Schopenhauer als erkenntnistheoretische Grundlage des gesamten Lebenswerks betrachtete, geht nicht über die von Kant vorgegebenen Grenzen kritischen Philosophierens hinaus, insofern sie die Reichweite der Geltung des Satzes vom zureichenden Grund auf die Welt unserer Vorstellungen einschränkt, ohne diese Welt auf ein ihr zuvorkommendes Prinzip zurückzuführen. Wie von der ausschließlich durch Kausalgesetze geprägten Vorstellungswelt zu dem Grund dieser Welt, den Schopenhauer in Anlehnung an Schellings Denkfigur eines „Ur- und Grundwollen, das sich selbst zu etwas macht“, als Wille fasst, zu gelangen ist, zeigte er erst 1815 auf.
Seit Nov. 1813 lebte Schopenhauer in Weimar, wohin Mutter und Schwester 1806 nach der Auflösung des Hamburger Handelsgeschäfts gezogen waren. Über seine Mutter lernte er Goethe persönlich kennen und setzte sich in seiner zweiten Schrift, „Über das Sehen und die Farben“ (1815), intensiv mit dessen Farbenlehre auseinander, die er vom Standpunkt der Kantischen Transzendentalphilosophie aus neu zu begründen versuchte.
Im Mai 1814 übersiedelte Schopenhauer nach Dresden und schrieb hier sein Hauptwerk, „Die Welt als Wille und Vorstellung“, das im Dez. 1818 mit Jahreszahl 1819 bei Brockhaus in Leipzig erschien. Schopenhauers darin entworfene Philosophie nimmt eine Zwischenstellung zwischen der Systemphilosophie des dt. Idealismus und dem Nihilismus des 19. Jh. ein. Der Wille ist ein ontologisches Strukturprinzip, das sich auf das Ganze der Erfahrungswelt bezieht und es in dieser nur mit sedimentierten Formen seiner Tätigkeit zu tun hat. Strukturell mit dem idealistischen Systemansatz verwandt ist Schopenhauers Metaphysik des Willens darin, dass sie Kants Konstruktion des „Ding an sich“ zu einem monistischen Prinzip ausweitet, das erlaubt, die Welt als Darstellung nur eines „einzigen Gedankens“ zu lesen. Gemäß dem vierteiligen Aufbau von „Die Welt als Wille und Vorstellung“ lässt er sich unter folgenden Gesichtspunkten diskutieren: Erkenntnistheorie, Metaphysik, Kunstphilosophie und Ethik.
Zurückgekehrt von einer achtmonatigen Italienreise, war Schopenhauer nach seiner Habilitation im März 1820 (Probevorlesung „Über die vier versch. Arten der Ursachen“) als Privatdozent in Berlin tätig. Hier setzte er die Termine seiner Veranstaltungen in bewusster Konkurrenz zeitgleich zu den viel besuchten Vorlesungen Georg Wilhelm Friedrich Hegels an, so dass ihm die Hörer ausblieben. In Berlin, der Hochburg des dt. Idealismus, blieb Schopenhauer, der nicht aus dem Schatten seines großen Konkurrenten herauszutreten vermochte, ohne nennenswerte Wirkung. Bei Ausbruch der Choleraepidemie 1831 verließ er Berlin und ließ sich 1832 in Mannheim, 1833 in Frankfurt/M. nieder, wo er bis zu seinem Tod zurückgezogen lebte. Hier schuf Schopenhauer als Ergänzung zu „Die Welt als Wille und Vorstellung“ zwei Preisschriften, die 1841 unter dem Titel „Die beiden Grundprobleme der Ethik“ erschienen. Die erste, von der Kgl. Norweg. Societät der Wissenschaften preisgekrönte Schrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“ (1839) und die zweite, bei der Kgl. Dän. Societät der Wissenschaften eingereichte, aber nicht ausgezeichnete Schrift „Über das Fundament der Moral“ (1840) enthalten in Fortsetzung zur Ethik des frühen Schopenhauer den Kern der Mitleidsethik mit deren Kritik an Kant, dessen praktische Vernunftkonzeption Schopenhauer als abwegigen Versuch verwarf, Ethik in der Vernunft zu fundieren. Zur Popularität Schopenhauers, die in seinem letzten Lebensjahrzehnt einsetzte, trug zudem das eingängig geschriebene Alterswerk „Parerga und Paralipomena“ (1851) bei, das eine Anweisung zur Lebensweisheit zu sein beansprucht, indem es die lebensverneinenden Konsequenzen, die im Paradox der Willensverneinung stecken, entschärft und lebensweltlich verträglich machen will.
Schopenhauers im Ausgang von Friedrich Wilhelm Joseph v. Schellings Naturphilosophie entworfene Metaphysik des Willens in der Natur und seine im Anschluss an Jean-Jacques Rousseau angestellten Überlegungen zum Gefühl des Mitleids wirkten nicht schulbildend, übten aber bedeutenden Einfluss auf die Moralkritik (Nietzsche), die philosophische Anthropologie (Scheler, Plessner) und die sog. Ethik der Gefühle im 20. Jh. aus. Die Rezeption Schopenhauers im 19. Jh. verlief extrem gegensätzlich und war durch die spät einsetzende Wirkung seines Werks bestimmt, die in der Zeit nachlassender Popularität der Hegelschen Philosophie mit der Veröffentlichung der „Parerga“ begann und in zahlreichen Neuauflagen und Übersetzungen von „Die Welt als Wille und Vorstellung“ ihren Niederschlag fand. Schopenhauers Einfluss erstreckte sich insbesondere auf Künstler wie Leo N. Tolstoi, Thomas Mann, Richard Wagner, Stefan George und Ernst Jünger, wobei der Rezeption Schopenhauers durch Friedrich Nietzsche, v. a. in der frühen Schrift „Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik“ (1872) und der dritten „Unzeitgemäßen Betrachtung“ über „Schopenhauer als Erzieher“ (1874) eine entscheidende Vermittlerrolle zukommt. Mit seinen aus dem Grenzbereich zwischen Philosophie und empirischen (Natur-)Wissenschaften entwickelten Fragestellungen gab Schopenhauer entscheidende Impulse für die Entwicklung von Psychoanalyse und Lebensphilosophie. Indem Schopenhauer erstmals die Aufwertung des Willens zum dominanten Strukturprinzip unseres Intellekts vollzog und triebbestimmte Motive des Handelns ins Zentrum stellte, wurde er zum wichtigen Ideengeber für Sigmund Freud, Eduard v. Hartmann und Max Scheler. Über Max Horkheimer wirkt Schopenhauers Philosophie bis heute in Teilen der Frankfurter Schule nach. In der aktuellen Naturethik kommt der Schopenhauerschen Ethik des Mitleids in ihrer Einbeziehung der Tiere als Adressaten moralischer Verpflichtungen eine zentrale Stellung zu.

Die Welt ist meine Vorstellung
Werke
Ehrungen
Arthur Schopenhauer
* 22.02.1788 in Danzig
† 21.09.1860 in Frankfurt am Main

Nach einem Sprachaufenthalt in Frankreich 1797-99 und dem Besuch der Rungeschen Privatschule in Hamburg bereiste Schopenhauer 1803 mit seinen Eltern Holland, England, Frankreich, die Schweiz und Österreich. Im Sept. 1804 trat er auf Wunsch des Vaters eine Kaufmannslehre bei dem Handelsherrn Jacob Kabrun in Danzig an, 1805 wechselte er zu dem Großkaufmann Martin Johann Jenisch nach Hamburg. Nach dem Freitod des Vaters 1805 brach Schopenhauer die Kaufmannslaufbahn 1807 ab, um die Hochschulreife in Weimar zu erwerben und sich mit naturwissenschaftlichen und philosophischen Themen zu beschäftigen. Diese doppelte Ausrichtung seiner Interessen behielt Schopenhauer zeitlebens bei. 1809 erhielt Schopenhauer seinen Erbteil, nahm ein Medizinstudium in Göttingen auf und hörte hier u. a. Vorlesungen über Physiologie bei Johann Friedrich Blumenbach. Der aus Helmstedt übergesiedelte Kantianer Gottlob Ernst Schulze machte ihn 1810 mit der Philosophie Immanuel Kants und Platons vertraut. Im Herbst 1811 wechselte Schopenhauer, angezogen von Johann Gottlieb Fichte, an die Univ. Berlin, und hörte dort dessen Vorlesungen über die „Thatsachen des Bewußtseins“. Zudem studierte er bei Friedrich Schleiermacher, den er v. a. als Übersetzer und Interpret der Philosophie Platons schätzte, bei dem Altphilologen Friedrich August Wolf sowie bei dem Zoologen Martin Hinrich Lichtenstein. In seinen hohen Erwartungen an das Studium in Berlin enttäuscht, übersiedelte er im Sommer 1813 nach Rudolstadt, wo er seine Erstlingsschrift „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“ (1813) ausarbeitete, auf deren Grundlage er im Oktober desselben Jahres in Jena in absentia zum Dr. phil. promoviert wurde. In seiner Dissertation beschäftigte sich Schopenhauer mit dem ordnungsstiftenden Grundprinzip, das die gesamte Erscheinungswelt ausnahmslos organisiert, insofern unser Verstand alle seine Erkenntnisse nach dessen Maßgabe und der darin auftretenden logischen Relationen gewinnt: Es ist der Satz vom zureichenden Grund, den er in der Fassung von Christian Wolff (Nihil est sine ratione, cur potius sit quam non sit) übernimmt und mit „Nichts ist ohne Grund, warum es sei und nicht vielmehr nicht sei“ übersetzt. Diesen Satz wertet Schopenhauer zum höchsten und alleinigen Ordnungsprinzip der Welt der Vorstellungen derart auf, dass die Erfahrungsformen von Raum, Zeit und Kausalität zu Sonderfällen dieses Prinzips herabgestuft werden. Die Dissertation, die Schopenhauer als erkenntnistheoretische Grundlage des gesamten Lebenswerks betrachtete, geht nicht über die von Kant vorgegebenen Grenzen kritischen Philosophierens hinaus, insofern sie die Reichweite der Geltung des Satzes vom zureichenden Grund auf die Welt unserer Vorstellungen einschränkt, ohne diese Welt auf ein ihr zuvorkommendes Prinzip zurückzuführen. Wie von der ausschließlich durch Kausalgesetze geprägten Vorstellungswelt zu dem Grund dieser Welt, den Schopenhauer in Anlehnung an Schellings Denkfigur eines „Ur- und Grundwollen, das sich selbst zu etwas macht“, als Wille fasst, zu gelangen ist, zeigte er erst 1815 auf.
Seit Nov. 1813 lebte Schopenhauer in Weimar, wohin Mutter und Schwester 1806 nach der Auflösung des Hamburger Handelsgeschäfts gezogen waren. Über seine Mutter lernte er Goethe persönlich kennen und setzte sich in seiner zweiten Schrift, „Über das Sehen und die Farben“ (1815), intensiv mit dessen Farbenlehre auseinander, die er vom Standpunkt der Kantischen Transzendentalphilosophie aus neu zu begründen versuchte.
Im Mai 1814 übersiedelte Schopenhauer nach Dresden und schrieb hier sein Hauptwerk, „Die Welt als Wille und Vorstellung“, das im Dez. 1818 mit Jahreszahl 1819 bei Brockhaus in Leipzig erschien. Schopenhauers darin entworfene Philosophie nimmt eine Zwischenstellung zwischen der Systemphilosophie des dt. Idealismus und dem Nihilismus des 19. Jh. ein. Der Wille ist ein ontologisches Strukturprinzip, das sich auf das Ganze der Erfahrungswelt bezieht und es in dieser nur mit sedimentierten Formen seiner Tätigkeit zu tun hat. Strukturell mit dem idealistischen Systemansatz verwandt ist Schopenhauers Metaphysik des Willens darin, dass sie Kants Konstruktion des „Ding an sich“ zu einem monistischen Prinzip ausweitet, das erlaubt, die Welt als Darstellung nur eines „einzigen Gedankens“ zu lesen. Gemäß dem vierteiligen Aufbau von „Die Welt als Wille und Vorstellung“ lässt er sich unter folgenden Gesichtspunkten diskutieren: Erkenntnistheorie, Metaphysik, Kunstphilosophie und Ethik.
Zurückgekehrt von einer achtmonatigen Italienreise, war Schopenhauer nach seiner Habilitation im März 1820 (Probevorlesung „Über die vier versch. Arten der Ursachen“) als Privatdozent in Berlin tätig. Hier setzte er die Termine seiner Veranstaltungen in bewusster Konkurrenz zeitgleich zu den viel besuchten Vorlesungen Georg Wilhelm Friedrich Hegels an, so dass ihm die Hörer ausblieben. In Berlin, der Hochburg des dt. Idealismus, blieb Schopenhauer, der nicht aus dem Schatten seines großen Konkurrenten herauszutreten vermochte, ohne nennenswerte Wirkung. Bei Ausbruch der Choleraepidemie 1831 verließ er Berlin und ließ sich 1832 in Mannheim, 1833 in Frankfurt/M. nieder, wo er bis zu seinem Tod zurückgezogen lebte. Hier schuf Schopenhauer als Ergänzung zu „Die Welt als Wille und Vorstellung“ zwei Preisschriften, die 1841 unter dem Titel „Die beiden Grundprobleme der Ethik“ erschienen. Die erste, von der Kgl. Norweg. Societät der Wissenschaften preisgekrönte Schrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“ (1839) und die zweite, bei der Kgl. Dän. Societät der Wissenschaften eingereichte, aber nicht ausgezeichnete Schrift „Über das Fundament der Moral“ (1840) enthalten in Fortsetzung zur Ethik des frühen Schopenhauer den Kern der Mitleidsethik mit deren Kritik an Kant, dessen praktische Vernunftkonzeption Schopenhauer als abwegigen Versuch verwarf, Ethik in der Vernunft zu fundieren. Zur Popularität Schopenhauers, die in seinem letzten Lebensjahrzehnt einsetzte, trug zudem das eingängig geschriebene Alterswerk „Parerga und Paralipomena“ (1851) bei, das eine Anweisung zur Lebensweisheit zu sein beansprucht, indem es die lebensverneinenden Konsequenzen, die im Paradox der Willensverneinung stecken, entschärft und lebensweltlich verträglich machen will.
Schopenhauers im Ausgang von Friedrich Wilhelm Joseph v. Schellings Naturphilosophie entworfene Metaphysik des Willens in der Natur und seine im Anschluss an Jean-Jacques Rousseau angestellten Überlegungen zum Gefühl des Mitleids wirkten nicht schulbildend, übten aber bedeutenden Einfluss auf die Moralkritik (Nietzsche), die philosophische Anthropologie (Scheler, Plessner) und die sog. Ethik der Gefühle im 20. Jh. aus. Die Rezeption Schopenhauers im 19. Jh. verlief extrem gegensätzlich und war durch die spät einsetzende Wirkung seines Werks bestimmt, die in der Zeit nachlassender Popularität der Hegelschen Philosophie mit der Veröffentlichung der „Parerga“ begann und in zahlreichen Neuauflagen und Übersetzungen von „Die Welt als Wille und Vorstellung“ ihren Niederschlag fand. Schopenhauers Einfluss erstreckte sich insbesondere auf Künstler wie Leo N. Tolstoi, Thomas Mann, Richard Wagner, Stefan George und Ernst Jünger, wobei der Rezeption Schopenhauers durch Friedrich Nietzsche, v. a. in der frühen Schrift „Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik“ (1872) und der dritten „Unzeitgemäßen Betrachtung“ über „Schopenhauer als Erzieher“ (1874) eine entscheidende Vermittlerrolle zukommt. Mit seinen aus dem Grenzbereich zwischen Philosophie und empirischen (Natur-)Wissenschaften entwickelten Fragestellungen gab Schopenhauer entscheidende Impulse für die Entwicklung von Psychoanalyse und Lebensphilosophie. Indem Schopenhauer erstmals die Aufwertung des Willens zum dominanten Strukturprinzip unseres Intellekts vollzog und triebbestimmte Motive des Handelns ins Zentrum stellte, wurde er zum wichtigen Ideengeber für Sigmund Freud, Eduard v. Hartmann und Max Scheler. Über Max Horkheimer wirkt Schopenhauers Philosophie bis heute in Teilen der Frankfurter Schule nach. In der aktuellen Naturethik kommt der Schopenhauerschen Ethik des Mitleids in ihrer Einbeziehung der Tiere als Adressaten moralischer Verpflichtungen eine zentrale Stellung zu.

Werke

Dies ist das Hauptwerk Schopenhauers, an dem er sein ganzes Leben gearbeitet hat. Es erschien ab 1819 und wurde von da an immer wieder bearbeitet und erweitert. Die letzte Auflage des zweibändigen Werkes erschien 1859, kurz vor Schopenhauers Tod.

lesen bei Zeno

„Kein Werk Schopenhauers hat eine derart breite Leserschaft gefunden wie seine Aphorismen zur Lebensweisheit – und keine seiner Schriften ist von der Fachwelt so wenig gewürdigt worden. Für die Verbreitung der Schrift, die als Teil seiner 1851 erschienenen “Parerga und Paralipomena” den Ruhm Schopenhauers noch zu Lebzeiten begründete, gibt es einen eindeutigen Grund: In einer sprachlich ebenso eleganten wie verständlichen Form widmet sich Schopenhauer hier einem nicht nur populären, sondern eminent lebenspraktischen Thema.“ Robert Zimmer

lesen bei Projekt Gutenberg

Diese 1851 erschienenen “Nebenwerke und Ergänzungen” enthalten neben den “Aphorismen zur Lebensweisheit” eine Reihe kleinerer Schriften, darunter eine hübsche Parabel:

Die Stachelschweine

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so daß sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.
So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: keep your distance! – Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.
Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

Ehrungen

Es ist gar nicht einzusehen, warum Du nicht mehr Schopenhauer liesest. Was an dem System wahr ist, ob es wahr ist und ob nicht … das kann ich nicht beurteilen. Aber es fällt eine solche Fülle von klugen und genialen Bemerkungen dabei ab, fast alle klassisch zu Ende formuliert, niemals langweilig, immer von oben, ein Herr, das Ganze durchblutet von einem so starken Temperament – das solltest Du immerzu lesen.
Kurt Tucholsky

Lithografie von Karl Bauer (1906)
Karikatur von Wilhelm Busch, der sich “mit Leidenschaft und Ausdauer in den Schopenhauer vertiefte
Karikatur von Olaf Gulbransson
Denkmal in Frankfurt, nach Friedrich Schierholz (1895)
Skulptur von Bolesław Marschall (2008), Danzig, Ronald-Reagan-Park
Porträt von Ludwig Sigismund Ruhl (um 1815)
Porträt von Jules Lunteschütz (um 1855)
Porträt von Angilbert Göbel (1859)

Schopenhauers Spruch: Ein Mensch kann zwar tun, was er will, aber nicht wollen, was er will”, hat mich seit meiner Jugend lebendig erfüllt und ist mir beim Anblick und beim Erleiden der Härten des Lebens immer ein Trost gewesen und eine unerschöpfliche Quelle der Toleranz.
Albert Einstein

10-DM-Münze 1988
Banknote Danzig 1923
Briefmarken-Serie Danzig 1938
Briefmarke Deutschland 1988

Ich weiß nicht, ob ich meine Meinung einmal ändern werde, jetzt jedenfalls bin ich überzeugt, dass Schopenhauer der genialste aller Menschen ist
Leo Tolstoi (1869)

Bildnachweis
Zeichnung von Karl Bauer (gemeinfrei)
Denkmal in Frankfurt (CC BY-SA 3.0)
Skulptur Danzig: Panek (CC BY 3.0 PL)
Porträt von Angilbert Göbel: © Museumslandschaft Hessen Kassel

Zitatnachweis
Biografie: Hühn, Lore, “Schopenhauer, Arthur” in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 471-473 [Online-Version] (CC BY-NC-ND 3.0 DE)
Kurt Tucholsky, Brief an seine Freundin Hedwig Müller (1935)
Albert Einstein “Mein Weltbild” (1934)
Leo Tolstoi, Brief an Afanassi Schenschin, August 1869