Bertha von Suttner

Bertha von Suttner
(* 09.06.1843 in Prag; † 21.06.1914 in Wien)
war eine österreichische Friedensaktivistin und Schriftstellerin. Sie gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Friedensbewegung und war die erste Frau, die den Friedensnobelpreis erhielt.

Suttner, Bertha Sophia Felicita Freifrau von, geborene Kinsky von Chinic (Wchinitz) und Tettau (Pseudonym B. Oulot, Jemand)
S. verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Brünn, seit 1856 in Wien und seit 1859 in Klosterneuburg bei Wien. Sie erhielt eine standesgemäße Ausbildung, beschäftigte sich mit Musik und erlernte mehrere Sprachen. Der Tod des Vaters und der mondäne Lebensstil der Mutter führten zu einer prekären finanziellen Situation, die S. dazu zwang, im Sommer 1873 in Wien eine Stellung als Erzieherin im Haus des Barons Karl v. Suttner anzunehmen. Dort entwickelte sich eine Beziehung zwischen ihr und dem sieben Jahre jüngeren Artur Gundaccar, dem dritten und jüngsten Sohn der Familie. Arturs Familie stellte sich gegen diese – als nicht standesgemäß eingestufte – Verbindung; S. musste das Haus verlassen.

1875 begann S. in Paris eine Tätigkeit als Hausdame und Privatsekretärin bei dem schwedischen Chemiker, Dynamit- und Waffenhersteller Alfred Nobel (1833–96), kehrte aber nach wenigen Tagen nach Wien zurück und heiratete Mitte 1876 heimlich Artur Gundaccar v. Suttner. Nobel blieb ihr bis an sein Lebensende ein treuer Freund und Mäzen; die Anregung zur Gründung der Nobelpreisstiftung geht auf S. zurück.

In der Folge lebte das Ehepaar, ursprünglich auf Einladung der Fürstin Ekaterina Dadiani von Mingrelien, die S. 1864 kennengelernt hatte, neun Jahre lang in bescheidenen Verhältnissen im Kaukasus. S. arbeitete als Musik- und Sprachlehrerin und begann zu schreiben. Ein erstes Feuilleton (Fächer u. Schürze, 1878), unter Pseudonym (B. Oulot) verfasst, wurde von der Wiener „Neuen Freien Presse“ gedruckt. Es folgten zahlreiche Artikel u. a. für die „Neue Illustrirte Zeitung“, „Die Gartenlaube“, das „Neue Wiener Tagblatt“, das „Berliner Tagblatt“, die „Dt. Romanbibliothek“ sowie für „Ueber Land und Meer“. Zwischen 1882 und 1911 veröffentlichte S. rund dreißig Romane sowie eine Vielzahl von Aphorismen, Tagebuchblättern, Erzählungen, Vorträgen und Sachbüchern; ihre 1907 erschienenen „Gesammelten Werke“ umfassten 12 Bände. 1885 waren S. und ihr Mann – nach Aussöhnung mit der Familie – auf das Schloss der Suttners in Harmannsdorf (Niederösterr.) zurückgekehrt. Nach dem Tod ihres Mannes und der Versteigerung des Guts zog S. nach Wien.

1887 hatte sie Kontakt mit der einzigen damaligen Friedensorganisation, der „International Arbitration and Peace Association“ (London, gegr. 1880) aufgenommen und publizierte 1889, nach intensiver Beschäftigung mit dem Pazifismus, den Roman „Die Waffen nieder!“. Zahlreiche Zeitschriftenverlage lehnten eine Drucklegung aus politischen Gründen ab, schließlich wurde er von Edgar Pierson (1848–1919) herausgebracht und danach in fast alle europäichen Sprachen übersetzt. S. erreichte damit Weltruhm und trug wesentlich zur Popularisierung der Friedensidee in Europa und Amerika bei. 1913 wurde das Werk verfilmt; bis 1917 erschienen rund 40 Auflagen, zahlreiche Nachdrucke und Teilabdrucke.

Nach einem Gründungsaufruf in der „Neuen Freien Presse“ vom 3. 9. 1891 wurde auf S.s Initiative die „Österr. Gesellschaft der Friedensfreunde“ ins Leben gerufen, und S. zu deren erster Präsidentin gewählt. Zur Gründungsversammlung kamen 2000 Personen in das Alte Rathaus nach Wien, unter ihnen Leo Tolstoi und Ernst Haeckel. Gemeinsam mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Alfred Hermann Fried (1864–1921), den sie 1891/92 in Berlin kennengelernt hatte, gab sie 1892–99 die Zeitschrift „Die Waffen nieder! Monatsschrift zur Förderung der Friedens-Idee“ (seit 1899 u. d. T. Die Friedens-Warte), heraus und begründete 1892 mit ihm die „Deutsche Friedensgesellschaft“. In der Folge nahm S. an fast allen Weltfriedenskongressen und interparlamentarischen Konferenzen teil.

Auf S.s Anregung fand 1899 die „Erste Haager Friedenskonferenz“ (Den Haag, Niederl.) statt, wo seitens der Regierungsvertreter Fragen der nationalen und internationalen Sicherheit, des Abrüstens und der Einrichtung eines internationalen Schiedsgerichts behandelt wurden.

1904 bereiste sie aus Anlass des Weltfriedenskongresses in Boston die USA (Unterredung mit Th. Roosevelt im Weißen Haus). Im Dez. 1905 wurde ihr – nachdem sich das Nobel-Komitee vier Jahre lang geweigert hatte, eine Frau auszuzeichnen – der Friedensnobelpreis zuerkannt, den sie am 18. 4. 1906 in Christiania (Oslo) entgegennahm.

Auf einer zweiten Amerikareise 1912 trat sie in mehr als 50 Städten als Vortragsrednerin auf, um über die gefährliche Lage in Europa aufzuklären und für das Ziel eines allgemeinen Friedens zu werben. Zwei Monate vor Beginn des 1. Weltkriegs und während der Vorbereitungen zu einem Weltfriedenskongress, den sie im Aug. 1914 nach Wien einberufen wollte, starb S. an Magenkrebs und allgemeiner Erschöpfung.

Wesentlich geprägt von aufklärerischem Gedankengut, führte S. einen außergewöhnlich emanzipierten Lebensstil. Offensiv trat sie für die Rechte und Chancen der Frauen ein: für ein Frauenwahlrecht, Eröffnung der Bildungswege und eine eigene berufliche Tätigkeit. S. war überzeugt von den neuen Evolutionstheorien ihrer Zeit, welche ihren Fortschrittsoptimismus nährten: Die gegenseitige Angleichung der Geschlechter sah sie als Grundbedingung für eine „Erhöhung der Menschenwürde“, durch eine „Erziehung zum Frieden“ sollte „das Vorrecht des Stärkeren radikal ausgerottet“ werden.

S. gilt heute als berühmteste Pazifistin ihrer Zeit. Sie legte den Grundstein für die internationale Friedensbewegung und vergleichbare soziale Bewegungen, die für Menschenrechte und globale Solidarität eintreten. Mit ihren Visionen eines friedlichen und sozialen Europa fern von Nationalismen und struktureller Gewalt und ihrer Kritik an einem zunehmend ausufernden Antisemitismus brach sie mit vielen damaligen Tabus. Die Idee der Abrüstung erschien jedoch der Mehrheit ihrer Zeitgenossen in Europa und den USA unverständlich und unannehmbar.

Text: Korotin, Ilse, “Suttner, Bertha von” in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 719-72 [Online-Version] (CC BY-NC-ND 3.0 DE)

Werke
Ehrungen

Suttner, Bertha Sophia Felicita Freifrau von, geborene Kinsky von Chinic (Wchinitz) und Tettau (Pseudonym B. Oulot, Jemand)
S. verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Brünn, seit 1856 in Wien und seit 1859 in Klosterneuburg bei Wien. Sie erhielt eine standesgemäße Ausbildung, beschäftigte sich mit Musik und erlernte mehrere Sprachen. Der Tod des Vaters und der mondäne Lebensstil der Mutter führten zu einer prekären finanziellen Situation, die S. dazu zwang, im Sommer 1873 in Wien eine Stellung als Erzieherin im Haus des Barons Karl v. Suttner anzunehmen. Dort entwickelte sich eine Beziehung zwischen ihr und dem sieben Jahre jüngeren Artur Gundaccar, dem dritten und jüngsten Sohn der Familie. Arturs Familie stellte sich gegen diese – als nicht standesgemäß eingestufte – Verbindung; S. musste das Haus verlassen.

1875 begann S. in Paris eine Tätigkeit als Hausdame und Privatsekretärin bei dem schwedischen Chemiker, Dynamit- und Waffenhersteller Alfred Nobel (1833–96), kehrte aber nach wenigen Tagen nach Wien zurück und heiratete Mitte 1876 heimlich Artur Gundaccar v. Suttner. Nobel blieb ihr bis an sein Lebensende ein treuer Freund und Mäzen; die Anregung zur Gründung der Nobelpreisstiftung geht auf S. zurück.

In der Folge lebte das Ehepaar, ursprünglich auf Einladung der Fürstin Ekaterina Dadiani von Mingrelien, die S. 1864 kennengelernt hatte, neun Jahre lang in bescheidenen Verhältnissen im Kaukasus. S. arbeitete als Musik- und Sprachlehrerin und begann zu schreiben. Ein erstes Feuilleton (Fächer u. Schürze, 1878), unter Pseudonym (B. Oulot) verfasst, wurde von der Wiener „Neuen Freien Presse“ gedruckt. Es folgten zahlreiche Artikel u. a. für die „Neue Illustrirte Zeitung“, „Die Gartenlaube“, das „Neue Wiener Tagblatt“, das „Berliner Tagblatt“, die „Dt. Romanbibliothek“ sowie für „Ueber Land und Meer“. Zwischen 1882 und 1911 veröffentlichte S. rund dreißig Romane sowie eine Vielzahl von Aphorismen, Tagebuchblättern, Erzählungen, Vorträgen und Sachbüchern; ihre 1907 erschienenen „Gesammelten Werke“ umfassten 12 Bände. 1885 waren S. und ihr Mann – nach Aussöhnung mit der Familie – auf das Schloss der Suttners in Harmannsdorf (Niederösterr.) zurückgekehrt. Nach dem Tod ihres Mannes und der Versteigerung des Guts zog S. nach Wien.

1887 hatte sie Kontakt mit der einzigen damaligen Friedensorganisation, der „International Arbitration and Peace Association“ (London, gegr. 1880) aufgenommen und publizierte 1889, nach intensiver Beschäftigung mit dem Pazifismus, den Roman „Die Waffen nieder!“. Zahlreiche Zeitschriftenverlage lehnten eine Drucklegung aus politischen Gründen ab, schließlich wurde er von Edgar Pierson (1848–1919) herausgebracht und danach in fast alle europäichen Sprachen übersetzt. S. erreichte damit Weltruhm und trug wesentlich zur Popularisierung der Friedensidee in Europa und Amerika bei. 1913 wurde das Werk verfilmt; bis 1917 erschienen rund 40 Auflagen, zahlreiche Nachdrucke und Teilabdrucke.

Nach einem Gründungsaufruf in der „Neuen Freien Presse“ vom 3. 9. 1891 wurde auf S.s Initiative die „Österr. Gesellschaft der Friedensfreunde“ ins Leben gerufen, und S. zu deren erster Präsidentin gewählt. Zur Gründungsversammlung kamen 2000 Personen in das Alte Rathaus nach Wien, unter ihnen Leo Tolstoi und Ernst Haeckel. Gemeinsam mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Alfred Hermann Fried (1864–1921), den sie 1891/92 in Berlin kennengelernt hatte, gab sie 1892–99 die Zeitschrift „Die Waffen nieder! Monatsschrift zur Förderung der Friedens-Idee“ (seit 1899 u. d. T. Die Friedens-Warte), heraus und begründete 1892 mit ihm die „Deutsche Friedensgesellschaft“. In der Folge nahm S. an fast allen Weltfriedenskongressen und interparlamentarischen Konferenzen teil.

Auf S.s Anregung fand 1899 die „Erste Haager Friedenskonferenz“ (Den Haag, Niederl.) statt, wo seitens der Regierungsvertreter Fragen der nationalen und internationalen Sicherheit, des Abrüstens und der Einrichtung eines internationalen Schiedsgerichts behandelt wurden.

1904 bereiste sie aus Anlass des Weltfriedenskongresses in Boston die USA (Unterredung mit Th. Roosevelt im Weißen Haus). Im Dez. 1905 wurde ihr – nachdem sich das Nobel-Komitee vier Jahre lang geweigert hatte, eine Frau auszuzeichnen – der Friedensnobelpreis zuerkannt, den sie am 18. 4. 1906 in Christiania (Oslo) entgegennahm.

Auf einer zweiten Amerikareise 1912 trat sie in mehr als 50 Städten als Vortragsrednerin auf, um über die gefährliche Lage in Europa aufzuklären und für das Ziel eines allgemeinen Friedens zu werben. Zwei Monate vor Beginn des 1. Weltkriegs und während der Vorbereitungen zu einem Weltfriedenskongress, den sie im Aug. 1914 nach Wien einberufen wollte, starb S. an Magenkrebs und allgemeiner Erschöpfung.

Wesentlich geprägt von aufklärerischem Gedankengut, führte S. einen außergewöhnlich emanzipierten Lebensstil. Offensiv trat sie für die Rechte und Chancen der Frauen ein: für ein Frauenwahlrecht, Eröffnung der Bildungswege und eine eigene berufliche Tätigkeit. S. war überzeugt von den neuen Evolutionstheorien ihrer Zeit, welche ihren Fortschrittsoptimismus nährten: Die gegenseitige Angleichung der Geschlechter sah sie als Grundbedingung für eine „Erhöhung der Menschenwürde“, durch eine „Erziehung zum Frieden“ sollte „das Vorrecht des Stärkeren radikal ausgerottet“ werden.

S. gilt heute als berühmteste Pazifistin ihrer Zeit. Sie legte den Grundstein für die internationale Friedensbewegung und vergleichbare soziale Bewegungen, die für Menschenrechte und globale Solidarität eintreten. Mit ihren Visionen eines friedlichen und sozialen Europa fern von Nationalismen und struktureller Gewalt und ihrer Kritik an einem zunehmend ausufernden Antisemitismus brach sie mit vielen damaligen Tabus. Die Idee der Abrüstung erschien jedoch der Mehrheit ihrer Zeitgenossen in Europa und den USA unverständlich und unannehmbar.

Text: Korotin, Ilse, “Suttner, Bertha von” in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 719-72 [Online-Version] (CC BY-NC-ND 3.0 DE)

Werke

Das 1889 erschienene Buch ist das bekannteste Werk Bertha von Suttners. Es wurde in mehr als 15 Sprachen übersetzt und gilt als eines der wichtigsten Werke der Friedens- und Frauenbewegung.

lesen bei Zeno

erschienen 1909

lesen bei Zeno

Ehrungen

Als erste Frau erhält Bertha von Suttner 1905 den Friedensnobelpreis

Sie war die tapferste Frau, die ich je gekannt habe.” – Alfred Nobel

Gedenkmünze Deutschland 2005
Gedenktafel an EU-Gebäude in Brüssel
Gedenkstein in Wörgl

Ihr Leben und ihre Arbeit sind ein Beispiel dafür, dass es möglich ist, aus einem Leben der Gewalt und des Krieges zu einem Leben des Friedens und der Versöhnung zu gelangen.
Mahatma Gandhi

Skulptur im Hof des Wiener Friedensmuseums
Denkmal von Siegfried Charoux in Wien
Mahnmal zur Bücherverbrennung auf dem Bonner Markt
Gedenktafel in Prag
Büste von Agon Qosa in Graz
Statue von Sirpa Masalin am Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn
Bertha-Bahn in Bonn

Bertha von Suttner hat sich mit all ihrem Mut und all ihrer Intelligenz für den Frieden eingesetzt.
Albert Einstein

Banknote Österreich 1966
2-EURO-Münze Österreich 2002

Ihre unerschütterliche Überzeugungskraft und ihre unermüdliche Arbeit für den Frieden werden in der Geschichte der Menschheit unvergesslich bleiben.
Leo Tolstoi

Briefmarke Guinea-Bissau 2008
Briefmarke Guinea-Bissau 2009
Briefmarke Guinea 2010
Briefmarke Schweden 1986
Briefmarke Tschechien 2013
Briefmarke Georgien 2020
Briefmarke DDR 1964
Briefmarke Deutschland 1991
Briefmarke Deutschland 2005
Briefmarke Türkei 1935
Briefmarke Österreich 2009
Briefmarke Österreich 1965

Bildnachweis
Panek: Skulptur im Hof des Wiener Friedensmuseums (CC BY-SA 4.0)
Axel Kirch: Mahnmal zur Bücherverbrennung auf dem Bonner Markt (CC BY-SA 4.0)
Irma.servatius: Büste von Agon Qosa in Graz (CC BY-SA 4.0)
Thomas Ledl: Denkmal von Siegfried Charoux in Wien (CC BY-SA 3.0 AT)
Medea7: Denkmal am Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn (CC BY-SA 3.0)
Rainer Henkel: Bertha-Bahn in Bonn (CC BY-SA 4.0)
Stadt Wörgl, Tirol: Meilensteine