

Averroes, mit vollständigem Namen Abu al-Walid Muhammad ibn Ahmad ibn Rushd, wurde am 14. April 1126 in Córdoba im muslimisch geprägten Andalusien geboren. Er entstammte einer angesehenen Familie von Juristen und öffentlichen Amtsträgern. Sowohl sein Großvater als auch sein Vater hatten das Amt des Oberrichters von Córdoba bekleidet. Seine Ausbildung umfasste zunächst die islamische Überlieferung, Sprachwissenschaft, Rechtswissenschaft und Theologie. Darüber hinaus studierte er Medizin und entwickelte sich zu einem bedeutenden Arzt und Philosophen.
Entscheidend für seine Laufbahn war die Bekanntschaft mit dem Philosophen Ibn Tufail, der ihn dem almohadischen Herrscher Abu Yaqub Yusuf vorstellte. Dieser beauftragte Averroes mit der Erläuterung der Werke des griechischen Philosophen Aristoteles. Averroes wirkte später als Oberrichter und Leibarzt des Herrschers. Im Jahr 1195 geriet er unter politischen und religiösen Druck, wurde verbannt und seine Schriften wurden verboten. Zwei Jahre später durfte er nach Córdoba zurückkehren. Dort starb er am 10. Dezember 1198.


Averroes zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Aristotelismus im Mittelalter. Sein philosophisches Hauptanliegen bestand darin, die Gedanken des Aristoteles möglichst unverfälscht zu erschließen und ihre Vereinbarkeit mit der islamischen Religion zu begründen.
Seine umfangreichen Kommentare zu Aristoteles entstanden über einen Zeitraum von etwa drei Jahrzehnten. Zu zahlreichen Werken verfasste er mehr oder weniger ausführliche Kommentare, die sich an Leser mit unterschiedlichen Vorkenntnissen richteten. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit Platons Politeia sowie mit Logik, Ethik, Naturwissenschaften und Metaphysik.
Ein Kernstück seiner Philosophie ist das Verhältnis von Vernunft und Offenbarung. In seiner Schrift „Fasl al-Maqal“ (Die entscheidende Abhandlung) vertritt Averroes die Auffassung, dass das Studium der Philosophie religiös zulässig und für entsprechend befähigte Menschen sogar geboten sei. Der Koran fordere die Gläubigen dazu auf, über Gott und seine Schöpfung nachzudenken. Die philosophische Untersuchung könne daher einen legitimen Weg zur religiösen Wahrheit darstellen.
Averroes unterscheidet drei Erkenntniswege: den demonstrativen, auf Beweisen beruhenden Weg der Philosophen, den dialektischen Weg der Theologen und den rhetorischen Weg, der sich an die breite Bevölkerung richtet. Widersprechen philosophische Beweise scheinbar einer Offenbarung, müsse deren Wortlaut gegebenenfalls allegorisch ausgelegt werden. Wahre philosophische Erkenntnis und wahre Offenbarung können für ihn nicht grundsätzlich im Widerspruch stehen.
Ein weiteres wichtiges Thema ist das Verhältnis Gottes zur Welt. In „Die Widerlegung der Widerlegung“ setzt sich Averroes kritisch mit al-Ghazali auseinander, der die Philosophen wegen ihrer Auffassungen über Gott und die Entstehung der Welt angegriffen hatte. Averroes verteidigt eine aristotelische Erklärung der Natur, in der Ursachen und Wirkungen eine wesentliche Rolle spielen. Naturerscheinungen müssen durch ihre Ursachen verständlich gemacht werden können. Ein solches Verständnis ist seiner Ansicht nach auch für wissenschaftliche Erkenntnis unverzichtbar. Die Frage, ob die Welt einen zeitlichen Anfang hat oder in einem besonderen Sinn ewig ist, bildet dabei einen zentralen Streitpunkt.
In seiner Metaphysik betrachtet Averroes Gott als den unbewegten ersten Beweger, der die kosmische Bewegung begründet. Auch die menschliche Seele und der Intellekt beschäftigen ihn intensiv. In seinem Kommentar „Über die Seele“ untersucht er die verschiedenen Fähigkeiten des Menschen, insbesondere Wahrnehmung, Vorstellungskraft und Vernunft. Seine Überlegungen zum Verhältnis zwischen individuellem Denken und einem überindividuellen Intellekt wurden später kontrovers diskutiert.
Insgesamt verbindet Averroes die genaue Auslegung antiker Philosophie mit dem Versuch, religiöse Überlieferung rational zu durchdringen.
Quelle: Internet Encyclopedia of Philosophy
Averroes vertrat für das 12. Jahrhundert erstaunlich fortschrittliche Ansichten über die Rolle von Mann und Frau, die vor allem durch seinen Kommentar zu Platons Politeia überliefert sind. Er schrieb Frauen grundsätzlich dieselben intellektuellen und praktischen Fähigkeiten zu wie Männern.
„Die Frauen sind in denselben Belangen wie die Männer fähig, Philosophie zu studieren, die Gemeinschaft zu regieren und sogar Kriege zu führen.“
Er kritisierte, dass Frauen rein auf das Gebären und Aufziehen von Kindern reduziert wurden.
„In diesen Staaten ist die Fähigkeit der Frauen nicht bekannt, da sie in ihnen nur für die Fortpflanzung herangezogen werden.“
Diese Gesellschaften würden verarmen und Schaden nehmen, wenn sie das Potenzial der Frauen ungenutzt lassen.
„Weil die Frauen in unseren Städten nicht auf eine der menschlichen Tugenden vorbereitet sind, ähneln sie häufig Nutzpflanzen. Dass sie als Last für die Männer gelten, ist eine der Ursachen für die Armut dieser Städte.“





Pico della Mirandola









Bildnachweis
Statue Barcelona: Herodotptlomeu (CC BY-SA 3.0)
Statue Córdoba: eigenes Foto
Zitatnachweis
Pico della Mirandola „Über die Würde des Menschen“ 1496