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Der Streit zwischen Rationalismus und Empirismus markiert einen der bedeutendsten Wendepunkte der europäischen Philosophiegeschichte. Beide Strömungen suchten nach einer soliden Grundlage für das menschliche Wissen, wählten jedoch radikal entgegengesetzte Wege. Während der Rationalismus die menschliche Vernunft als primäre Quelle der Erkenntnis ansah, erklärte der Empirismus die sinnliche Erfahrung zum Fundament allen Wissens. Dieser intellektuelle Diskurs prägte das Zeitalter der Aufklärung und legte den Grundstein für das moderne wissenschaftliche Denken.
Der Rationalismus, maßgeblich begründet durch René Descartes, mistraute den Sinneswahrnehmungen, da diese täuschen können. In seinem berühmten methodischen Zweifel hinterfragte Descartes alles, bis er auf eine unerschütterliche Gewissheit stieß: das denkende Ich („Cogito, ergo sum“). Für Rationalisten wie Descartes, Spinoza oder Leibniz war klar, dass der Mensch über angeborene Ideen (ideae innatae) verfügt, wie etwa die Begriffe von Gott, Unendlichkeit oder mathematischen Wahrheiten.

Auf der anderen Seite des Ärmelkanals formierte sich der britische Empirismus als Gegenbewegung. John Locke wies, aufbauend auf den Ideen von Francis Bacon, die Vorstellung angeborener Ideen vehement zurück. Er ging davon aus, dass der menschliche Geist bei der Geburt einem unbeschriebenen Blatt gleiche, einer tabula rasa. Erst im Laufe des Lebens werde dieses Blatt durch Erfahrung beschrieben. Locke unterschied zwischen der äußeren Wahrnehmung durch die Sinne (sensation) und der inneren Selbstbeobachtung (reflection).
Durch logisches Denken und Deduktion – ähnlich der Vorgehensweise in der Geometrie – könne die Vernunft tiefere Wahrheiten über die Realität erlangen, die völlig unabhängig von der Erfahrung gültig sind.
Die Konfrontation dieser beiden Denkschulen führte die Philosophie in eine methodische Sackgasse: Der Rationalismus drohte in dogmatische Metaphysik abzugleiten, während der Empirismus im radikalen Skeptizismus Humes zu enden drohte.
David Hume radikalisierte diesen empiristischen Ansatz im 18. Jahrhundert grundlegend. Er reduzierte alle geistigen Inhalte auf Sinneseindrücke (impressions) und deren schwächere Nachbilder, die Ideen (ideas). Hume ging so weit, vermeintlich sichere rationale Konzepte wie das Kausalitätsprinzip zu erschüttern. Unsere Erwartung, dass eine Wirkung immer einer Ursache folgt, beruht laut Hume nicht auf logischer Notwendigkeit, sondern auf bloßer Gewohnheit.
Um die Auflösung dieses Dilemmas bemühte sich Immanuel Kant am Ende des 18. Jahrhunderts. In seiner „Kritik der reinen Vernunft“ legte er dar, dass beide Strömungen jeweils eine Teilschnittmenge der Wahrheit erfasst hatten, isoliert jedoch unvollständig blieben. Mit dem berühmten Satz „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ machte er deutlich, dass Erkenntnis zwar mit der Sinneserfahrung beginnt, diese Daten aber erst durch die Ordnungsprinzipien des menschlichen Verstandes – wie Raum, Zeit und Kausalität – verarbeitet und verständlich gemacht werden müssen.



Das aufgeklärte Gedankengut spiegelte sich nicht immer im persönlichen Verhalten der großen Denker wieder. So kam es immer wieder zu erbitterten Auseinandersetzungen.


David Hume und Jean-Jacques Rousseau kannten sich persönlich, ihr Verhältnis zueinander war jedoch ambivalent. Eine der Hauptursachen für Unstimmigkeiten war ihre unterschiedliche Auffassung zum Ursprung der moralischen Werte und der menschlichen Natur. Während für Hume moralische Prinzipien auf nützlichen sozialen Konventionen basierten, vertrat Rousseau die Ansicht, dass der Mensch von Natur aus gut sei und dass die Zivilisation ihn korrumpiere.
Ein weiterer Konfliktpunkt war ihre politische Philosophie. Hume war eher ein Anhänger der repräsentativen Regierung und sah die Monarchie als stabilisierende Kraft. Rousseau dagegen favorisierte einen direkten sozialen Vertrag und betonte die Idee der Volkssouveränität. Diese unterschiedlichen Ansichten führten zu Streitigkeiten, die auch öffentlich ausgetragen wurden.
Ein in Paris in Umlauf gebrachter Schmähbrief über Rousseau ließ den Streit eskalieren, weil bekannt wurde, dass dessen Verfasser mit Hume befreundet war.
Wie tief die Verachtung schließlich ging, zeigt ein Brief Humes an Adam Smith vom 8. Oktober 1767:
“Sie sehen also, [Rousseau] ist eine Komposition aus Launen, Affektiertheit, Boshaftigkeit, Selbstgefälligkeit und Unruhe mit einer winzigen, wenn überhaupt vorhandenen Beimischung von Wahnsinn. […] Die oben genannten, vorherrschenden Qualitäten zusammen mit Undankbarkeit, Grausamkeit und Lügerei, und der von mir nicht extra zu erwähnenden Redegewandtheit und Erfindungsgabe, formen die gesamte geistige Verfassung.”

Auch zwischen Voltaire und Rousseau entspann sich eine der erbittertsten Feindschaften der Geistesgeschichte. Was als intellektueller Diskurs begann, entwickelte sich rasch zu einem tiefen persönlichen Hass, der die französische Aufklärung spaltete.
Der Kern ihres Konflikts lag in zwei völlig gegensätzlichen Weltanschauungen. Voltaire, der wohlhabende Grandseigneur der Vernunft, feierte den zivilisatorischen Fortschritt, den Luxus, die Wissenschaft und das Theater. Er sah in der Kultur die Rettung des Menschen aus der Barbarei. Rousseau hingegen vertrat das radikale Gegenteil: In seinem Diskurs über die Ungleichheit argumentierte er, dass die Zivilisation den Menschen korrumpiere und moralisch zerstöre. Er plädierte für eine Rückbesinnung auf die Natur und die Einfachheit.
Voltaire reagierte auf Rousseaus Zivilisationskritik mit brillantem, verletzendem Spott. In einem Brief schrieb er ihm, dass noch nie so viel Geist darauf verwandt worden sei, den Menschen zum Tier zu machen: „Man bekommt Lust, auf allen vieren zu gehen, wenn man Ihr Buch liest.“
Rousseau wiederum warf Voltaire vor, mit seinen Theaterstücken und seinem Zynismus die Sitten der Gesellschaft zu verderben.
Aus den philosophischen Spitzen wurde bald eine Fehde, die auf persönlicher Ebene eskalierte. Voltaire deckte anonym Rousseaus größte Lebenslüge auf. Er veröffentlichte ein Pamphlet, das enthüllte, dass der große Erziehungstheoretiker seine eigenen fünf Kinder direkt nach der Geburt in ein Waisenhaus abgeschoben hatte – ein moralischer Vernichtungsschlag. Rousseau war zutiefst getroffen und versank in Paranoia.
Die beiden großen Aufklärer blieben einander in Feindschaft verbunden bis zum Tod: Sie starben 1778 im Abstand von nur wenigen Wochen.
Weniger bekannt ist das tiefe intellektuelle und moralische Zerwürfnis zwischen Baruch de Spinoza und Gottfried Wilhelm Leibniz. Ihre Beziehung war zwar keine offene Schlammschlacht wie bei den beiden oberen Fällen, aber sie war von Geheimniskrämerei, Angst vor Verfolgung und späterer Verleugnung geprägt.

Spinoza lebte nach seinem Ausschluss aus der jüdischen Gemeinde isoliert und galt in Europa wegen seiner radikalen Schriften über Gott und Politik als gefährlicher Ketzer und Atheist.
Den jungen, ehrgeizigen Leibniz jedoch faszinierte Spinozas Philosophie. 1676 besuchte er ihn in Den Haag und beide verbrachten mehrere Tage mit intensivem philosophischem Austausch.
Doch die unterschiedlichen Positionen erwiesen sich als unvereinbar. Nach Spinozas Pantheismus sind Gott und Natur eins (Deus sive Natura). Einen persönlichen Gott, der straft oder belohnt, lehnte Spinoza ab. Der Mensch hat keine Wahlfreiheit, alles passiert aus absoluter Notwendigkeit und Bestimmung.
Für Leibniz war das inakzeptabel. Er wollte das Christentum retten und entwickelte eine Welt aus unendlich vielen geistigen Substanzen (Monaden), die von einem persönlichen Gott in einer „prästabilierten Harmonie“ gelenkt werden. Er hielt Spinozas Determinismus für zerstörerisch für die menschliche Moral und den Glauben.
Das eigentliche menschliche Zerwürfnis offenbarte sich nach Spinozas frühem Tod im Jahr 1677. Da der „Spinozismus“ im damaligen Europa als gesellschaftliches und akademisches Tabu galt, bekam Leibniz Angst um seine Karriere und seinen Ruf. Er distanzierte sich öffentlich von Spinoza und behauptete fortan, ihn kaum gekannt zu haben; das Treffen in Den Haag spielte er als flüchtige Begegnung herunter. In seinen Schriften bekämpfte er Spinozas Thesen vehement und stellte ihn als irrigen Atheisten dar. Dennoch zeigen Leibniz‘ private Notizen, dass er sich ein Leben lang intensiv mit Spinoza beschäftigte und viele seiner Konzepte übernahm oder umformulierte, um sie „kirchenkonform“ zu machen. Historiker bezeichnen diese Beziehung oft als eine Tragödie aus Faszination, Furcht und philosophischem Verrat.




Europa um 1700: Schlösser und Kirchen beeindrucken mit gewaltigen Fassaden, prächtigen Sälen, Stuck, Gold und kunstvollen Gärten. Die Welt des Barock liebt Ordnung, Hierarchie und Inszenierung. Könige und Fürsten zeigen ihre Macht, die Kirche ihre Größe.
Doch hinter dieser prachtvollen Oberfläche verändert sich etwas Grundlegendes. Immer mehr Menschen beginnen, die überlieferten Gewissheiten zu prüfen. Philosophen, Naturforscher, Schriftsteller und Gelehrte fragen nach den Gründen, die hinter den Dingen liegen. Nicht allein Tradition und Autorität sollen bestimmen, was wahr ist – auch Vernunft, Erfahrung und kritische Prüfung gewinnen an Bedeutung. Präzise Fragen rütteln am Bestehenden:
Was ist der Mensch? Woher kommt unser Wissen? Darf der Staat alles bestimmen? Warum sollen Menschen aufgrund ihrer Geburt unterschiedliche Rechte besitzen?
Entscheidend ist nicht nur, was gedacht wird, sondern auch, wie sich Ideen verbreiten. Gedanken werden öffentlich: Bücher, Zeitschriften, Briefe, Lesegesellschaften, Salons und wissenschaftliche Akademien schaffen neue Räume des Austauschs. Wissen soll besser zugänglich, diskutierbar und überprüfbar werden.
Die Aufklärung entwickelt sich im 17. und 18. Jahrhundert in vielen europäischen Ländern.
In England fordert Francis Bacon eine neue, auf Erfahrung beruhende Erforschung der Natur. John Locke untersucht die Entstehung menschlicher Erkenntnis und entwickelt Vorstellungen von natürlichen Rechten. Der Niederländer Baruch de Spinoza unterzieht Religion, Staat und menschliche Freiheit einer radikalen philosophischen Prüfung. In Frankreich treten Denker wie Montesquieu, Voltaire und Rousseau für eine kritischere Betrachtung von Gesellschaft, Politik und Religion ein.
Auch in den deutschen Ländern erheben sich wichtige Stimmen. Christian Thomasius fordert eine verständliche Sprache der Philosophie und löst sich zunehmend von der scholastischen Gelehrtentradition. Gottfried Wilhelm Leibniz verbindet mathematisch-naturwissenschaftliche Forschung mit einer umfassenden Metaphysik. Christian Wolff versucht, das Wissen seiner Zeit systematisch und nach den Regeln der Vernunft zu ordnen.
Später – die Zeit des Barock ist bereits zu Ende gegangen – wird Immanuel Kant die Aufklärung mit der Forderung verbinden, der Mensch solle den Mut haben, seinen eigenen Verstand zu gebrauchen.
Bei alldem bleibt die Aufklärung eine widersprüchliche Epoche. Die alten politischen und gesellschaftlichen Ordnungen verschwinden keineswegs; Zensur besteht fort, soziale Unterschiede bleiben groß, und die meisten Menschen haben weiterhin keinen Zugang zu Bildung. Zugleich entstehen neue Vorstellungen von Toleranz, Freiheit, Bildung, Menschenrechten und politischer Mitbestimmung, die wenig später Eingang in die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und in die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte im Ergebnis der Französischen Revolution finden.
So liegt das Spannende an der europäischen Aufklärung gerade im Gegensatz ihres Erscheinungsbildes. In einer Welt barocker Pracht entstehen Gedanken von erstaunlicher Leichtigkeit und Beweglichkeit. Unter den schweren Formen einer hierarchischen Gesellschaft beginnt sich eine neue Vorstellung vom Menschen zu entwickeln – als vernunftfähiges Wesen, das fragen, zweifeln und selbstständig urteilen kann. Die Aufklärung ist deshalb weniger ein einzelnes Ereignis als ein Wandel der geistigen Haltung: Der Mensch beginnt, die Welt nicht nur hinzunehmen, sondern sie verstehen und beurteilen zu wollen.
Georg Heinrich Sieveking: Hinrichtung Ludwig XVI., Kupferstich von 1793
Die Französische Revolution markiert den Höhepunkt der Europäischen Aufklärung. Gleichzeitig führt die brutale Tyrannei im Verlauf der Revolution dazu, dass die Ideen der Aufklärung zunehmend kritisch hinterfragt werden. Es beginnt das Zeitalter der Romantik, deren Vertreter dem vernunftorientierten Denken und Handeln, der zentralen Idee der Aufklärung eine Absage erteilen, und statt dessen die Rolle der Gefühle betonen. Die Suche nach Ausgewogenheit von Vernunft und Gefühl beschäftigt Philosophie und Gesellschaft bis heute.



Die europäische Aufklärung führte dazu, dass immer mehr Frauen sich den Wissenschaften und so auch der Philosophie zuwandten. Die Vorstellungen von Geschlechterrollen und die sozialen Normen jener Zeit prägten zwar weiterhin das Leben und die Möglichkeiten von Frauen, dennoch vollzogen sich während der Epoche des Barock erste Veränderungen hin zu einem neuen Frauenbild. Einige Frauen aus wohlhabenden Familien, insbesondere aus Adels- und Künstlerkreisen, erhielten eine bessere Bildung; sie konnten an intellektuellen und künstlerischen Aktivitäten teilnehmen und trugen zur Entwicklung von Literatur, Musik und anderen Künsten bei.

![Emilie_Chatelet_portrait_by_Latour[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2023/07/Emilie_Chatelet_portrait_by_Latour1.jpg)

zählt zu den bedeutendsten Philosophinnen des 17. Jahrhunderts. Obwohl sie zu Lebzeiten kaum veröffentlichte, übte sie einen nachhaltigen Einfluss auf die Philosophie ihrer Zeit aus. Sie entwickelte eine eigenständige Metaphysik, die sich von den damals dominierenden Positionen des Dualismus und Materialismus deutlich unterschied.
In unserer Ruhmeshalle findest du ein ausführliches Porträt. ![]()
war eine französische Mathematikerin, Physikerin und Philosophin, die als eine der bemerkenswertesten Intellektuellen der Aufklärung gilt. Sie war eine Frau, die gesellschaftliche Konventionen überwand und eine Brücke zwischen der Naturwissenschaft und der Philosophie schlug.
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war eine der wichtigsten und bekanntesten Wissenschaftlerinnen des 18. Jahrhunderts. Als erste Frau in Europa wurde sie zur Professorin für Philosophie ernannt und wurde das erste weibliche Mitglied der Akademie der Wissenschaften von Bologna.
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Weniger bekannt sind zwei Philosophinnen, die im Schatten dieser drei Grandes Dames standen
![Margaret_Cavendish,_Duchess_of_Newcastle,_by_Peter_Lely[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/09/Margaret_Cavendish_Duchess_of_Newcastle_by_Peter_Lely1-e1789896394514.jpg)
Die Herzogin von Newcastle war eine der ersten weiblichen Naturphilosophen, die selbst publizierten. Sie setzte sich kritisch mit zeitgenössischen Philosophen wie René Descartes und Thomas Hobbes auseinander. Auch ihre literarischen Werke fanden besondere Beachtung.
(siehe Teil 3 dieser Ausstellung)

bestand 1678 mit Bravour die Prüfung zur Erlangung des Doktorgrades auf dem Gebiet der Philosophie an der Universität Padua. Damit war sie die erste Frau weltweit, die einen Doktortitel erwarb.
Sie wurde zum hochangesehenen Mitglied verschiedener Akademien in ganz Europa und empfing Gelehrte aus aller Welt.

Beeindruckt von den neuen Ideen ihrer Epoche zeigten sich auch eine Reihe von Monarchen. Insbesondere die Gedanken von Voltaire, Montesquieu und Wolff, zu denen sie oft auch persönliche Kontakte herstellten, beeinflussten ihre Regentschaft. Zwar blieben sie absolutistische Herrscher, die die bestehende Ständeordnung und die Privilegien von Adel und Militär unangetastet ließen, aber sie modernisierten Verwaltung, Rechtsprechung und Wirtschaft, förderten Schulen und Wissenschaften und setzten sich für religiöse Toleranz ein.
Auf diese Weise trugen sie auch dazu bei, das philosophische Gedankengut ihrer Zeit bekannt und populär zu machen.

König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci
In diesem 1850 entstandenen Gemälde von Adolph v. Menzel sind die Philosophen Voltaire
(zweiter Stuhl links des Königs) und La Mettrie (ganz vorne rechts) zu Gast bei Friedrich II.

ist ein Beispiel dafür, dass auch in den Herzogtümern die Ideen der Aufklärung Einzug hielten. Als eine der bedeutendsten und am vielseitigsten gebildeten Fürstinnen ihrer Zeit machte sie Schloss Friedenstein in Gotha zu einem kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum in Europa. Durch intensive Briefwechsel mit führenden Denkern und Herrschern wie Voltaire und Friedrich II. sicherte sie dem Herzogtum eine einflussreiche Position im diplomatischen und intellektuellen Netzwerk ihrer Zeit.

verstand sich selbst als der „erste Diener seines Staates“ und richtete sein Handeln an rationalen Prinzipien statt an dynastischer Willkür aus. Unter seiner Herrschaft wurde Preußen zu einem modernen Staatwesen, indem er die Unabhängigkeit der Justiz stärkte und ein allgemeines Landrecht vorbereiten ließ. Bekannt wurde er zudem für seine religiöse Toleranz, die es Einwanderern verschiedener Konfessionen erlaubte, sich in Preußen niederzulassen.

gilt als der bedeutendste Vertreter des aufgeklärten Absolutismus in der spanischen Geschichte. Durch Wirtschaftsreformen, die Förderung von Handel und Wissenschaft sowie den Ausbau der Infrastruktur führte er Spanien aus einer Phase der Stagnation. Er schränkte die Macht der Kirche ein, trieb die Ausweisung der Jesuiten voran und schwächte den Einfluss der Inquisition erheblich.
![500px-Maria-Theresia_van_Oostenrijk_-_Liotard[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2026/09/500px-Maria-Theresia_van_Oostenrijk_-_Liotard1-400x503.jpg)
stand der Aufklärung selbst skeptisch gegenüber, ebnete aber durch ihre von staatsmännischer Vernunft geprägte, pragmatische Modernisierungspolitik den Weg für den aufgeklärten Absolutismus in Österreich. Sie besteuerte erstmals auch Adel und Klerus und schränkte die Frondienste der Bauern ein. Mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht legte sie den Grundstein für ein staatliches Bildungssystem.
Auch führte sie eine für damalige Verhältnisse sehr moderne Ehe.

pflegte intensiven Briefwechsel mit führenden Denkern der Aufklärung, wie Voltaire, und versuchte, deren Ideale auf das russische Reich zu übertragen. Sie berief eine Gesetzbuch-Kommission ein, um das Rechtssystem zu humanisieren, und trieb die Säkularisierung von Kirchengütern sowie die Gründung von Schulen und Hospitälern voran.
Später jedoch festigte sie die Leibeigenschaft und regierte zunehmend repressiv.
![standard_compressed_Carl_von_Sales_Bildnis_Joseph_II_posthum_1823_1_[1]](https://museum-der-philosophie.de/wp-content/uploads/2024/02/standard_compressed_Carl_von_Sales_Bildnis_Joseph_II_posthum_1823_1_1.jpg)
gilt als der radikalste Reformer unter den aufgeklärten Monarchen. Er regierte mit dem Anspruch, das maximale Wohl für seine Untertanen zu erreichen. 1781 hob er die Leibeigenschaft der Bauern auf. Mit dem Toleranzpatent gewährte er Protestanten und Orthodoxen Religionsfreiheit und lockerte die Beschränkungen für die jüdische Bevölkerung.
Seine überstürzten und zentralistischen Reformen stießen jedoch auf massiven Widerstand des Adels und der Kirche, weshalb er viele davon zurücknehmen musste.


Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers
(Enzyklopädie oder systematisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke)
Die Enzyklopädie ist eines der bedeutendsten Werke seiner Epoche. Dieses Mammutprojekt, das Denis Diderot gemeinsam mit Jean-Baptiste le Rond d’Alembert initiierte, war nicht nur ein Lexikon, sondern ein Manifest der Aufklärung. Ziel war es, das gesamte Wissen der Zeit zu sammeln, zu systematisieren und der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Zwischen 1751 und 1772 erschienen 28 Bände, davon elf mit Abbildungen. Die Arbeit an der Enzyklopädie war riskant: Diderot und seine Mitarbeiter wurden von der Kirche und konservativen Kreisen verfolgt, da das Werk die Autorität von Kirche und Staat infrage stellte.



Baruch Spinoza „Tractatus theologico-politicus“
Der „Theologisch-politische Traktat“ wurde 1670 in Amsterdam anonym veröffentlicht. Es handelt sich dabei um Spinozas Verteidigung der Meinungs- und Religionsfreiheit sowie eine radikale Kritik an der wörtlichen Bibelauslegung. Spinoza sagt, dass die Heilige Schrift nicht Quelle philosophischer Wahrheit, sondern ein Mittel zur moralischen Erziehung sei. Er fordert eine Trennung von Theologie und Philosophie und plädiert für einen Staat, in dem die Vernunft frei herrschen darf.



Thomas Hobbes “Elementa Philosophiae”
Das dreiteilige Hauptwerk von Thomas Hobbes erschien zwischen 1642 und 1658. Es ist gegliedert in die Teile “Über den Körper”, “Über den Menschen”, “Über den Bürger”. Besondere Beachtung fand bis heute der staatstheoretische 3. Teil (Abbildung).



René Descartes „Principia philosophiae“ (1644)
In diesem Werk, das zu den bedeutendsten der Philosophie-geschichte zählt, gibt Descartes eine systematische Zusammenfassung seiner philosophischen Ansichten. Am bekanntesten ist seine Grundaussage zur Erkenntnisfähigkeit:
„Indem wir so alles nur irgend Zweifelhafte zurückweisen und für falsch gelten lassen, können wir leicht annehmen, dass es keinen Gott, keinen Himmel, keinen Körper gibt; dass wir selbst weder Hände noch Füße, überhaupt keinen Körper haben; aber wir können nicht annehmen, dass wir, die wir solches denken, nichts sind; denn es ist ein Widerspruch, dass das, was denkt, in dem Zeitpunkt, wo es denkt, nicht bestehe. Deshalb ist die Erkenntnis: »Ich denke, also bin ich,« (lateinisch: ego cogito, ergo sum) von allen die erste und gewisseste, welche bei einem ordnungsmäßigen Philosophieren hervortritt.“



John Locke „An Essay Concerning Human Understanding“
In seinem Hauptwerk Versuch über den menschlichen Verstand (1690) untersucht John Locke Ursprung, Umfang und Grenzen menschlicher Erkenntnis und entwickelt seine berühmte Lehre von der tabula rasa, wonach das menschliche Bewusstsein bei der Geburt wie ein weißes Blatt Papier ist, und alles Wissen aus Erfahrungen hervorgeht.
